BGE 2 I 313
BGE 2 I 313Bge29.05.1876Originalquelle öffnen →
worden, die an Würmli abgetretene Maschine kaufsweise an den Rekurrenten übergegangen und das Stickereilokal am 18. Sept. v. J. geräumt worden. Er, Rekurrent, habe wiederholt Rech¬ nung gestellt, dagegen habe Würmli noch nie zur Rechnungs¬ ablage gebracht werden können. Nun sei die von Würmli angestellte Klage nicht etwa gegen eine Societät, welche ihren Wohnsitz in Hemmersweil hätte, sondern gegen ihn, Rekurrent, persönlich gerichtet und er bestreite auch, daß seine Verbindung mit Würmli den Charakter einen Societät an sich trage; denn sie haben keine Geldmittel zu¬ sammengelegt, um damit einen gemeinschaftlichen Endzweck zu erreichen. Jeder sei Eigenthümer dessen geblieben, was er be¬ sessen habe, und sie haben bloß die mündliche Abrede getroffen, eine Zeit lang dasjenige, was jeder mit seiner Maschine ver¬ diene, zusammenzurechnen und zu theilen und so den Risico beidseitig zu nivelliren. Gemäß Art. 59 der Bundesverfassung müsse daher die von Würmli beabsichtigte Klage beim st. gallischen Richter angebracht werden. C. U. Würmli trug auf Abweisung des Rekurses an, indem er geltend machte: Der Nachsatz des in der friedensrichterlichen Weisung enthaltenen Klagebegehrens sei ein überflüssiges Beiwerk des Friedensrichters. Was er, Kläger, wolle, sei eine Aus¬ rechnung über die Liquidation eines gemeinsam betriebenen Ge¬ schäftes und diese habe er im Kreise Romanshorn, in welchem die Stickerei betrieben worden, vor dem Friedensrichter mit dem Beklagten vorzunehmen verlangt. Was nun die erste und Hauptfrage betreffe, ob zwischen den Parteien ein Societäts¬ verhältniß bestanden habe, so sage der Art. 1235 des zürcheri¬ schen privatrechtlichen Gesetzbuches, welches im Thurgau als subsidiäres Recht gelte, das Vertragsverhältniß der gemeinen Gesellschaft sei die vermögensrechtliche Verbindung zweier oder mehrerer Personen, um mit gemeinsamen Mitteln und Kräften einen gemeinsamen Zweck zu erreichen. Daß nun ein solches Verhältniß zwischen Hanimann und Würmli bestanden habe, sei leicht zu erweisen und gehe insbesondere hervor aus
in Hemmersweil, wo die Stickmaschinen aufgestellt waren und arbeiteten, ein Domizil und einen allgemeinen Gerichtsstand gehabt habe. Denn nicht jede Gesellschaft hat ein eigenes Ge¬ schäftsdomizil, vor dessen Gericht Klagen aus Geschäftsangele¬ genheiten anhängig gemacht werden können, sondern es ist dieß bekanntlich nur bei den eigentlichen Handelsgesellschaften, welche gegen außen unter einer Firma als juristische Einheit auftreten, der Fall. 3. Nun hat aber der Rekursbeklagte Würmli selbst in seinen Vernehmlassungen ausdrücklich erklärt, daß er und der Rekurrent Hanimann nur eine sog. gemeine Gesellschaft im Sinne des §. 1235 des privatrechtlichen Gesetzbuches gebildet haben, welche, wie sie einer Firma entbehrt, auch weder ein Domizil noch einen eigenen Gerichtsstand hat. In der That wird denn auch diese Auffassung des Gesellschaftsverhältnisses durch die vorliegenden Akten bestätigt, indem aus denselben hervorgeht, daß die Liti¬ ganten gegen außen nicht unter einer gemeinsamen Firma auf¬ getreten sind, sondern jeder auf seinen Namen und von seinem Wohnsitze aus gehandelt und daher jeder über seine Besorgung der Gesellschaftsinteressen Rechnung zu geben hat. 4. Es erscheint demnach das Begehren des Rekurrenten, daß die thurgauischen Gerichte zur Behandlung der vom Rekurs¬ beklagten angehobenen Klage inkompetent erklärt und letzterer an den st. gallischen Richter verwiesen werde, gemäß Art. 59 der Bundesverfassung begründet, da einerseits die Competenz der thurgauischen Gerichte von der nicht zutreffenden Voraus¬ setzung abhängt, daß die Litiganten eine Collectivgesellschaft mit Domizil in Hemmersweil gebildet haben, und anderseits nicht bestritten ist, daß Rekurrent aufrechtstehend und in St. Gallen fest domizilirt sei. 5. Sollte indeß der Rekursbeklagte Würmli entgegen seiner gegenwärtigen Darstellung glauben, den Beweis dafür leisten zu können, daß das zwischen ihm und dem Rekurrenten bestandene Verhältniß dasjenige der eigentlichen Handelsgesellschaft gewesen sei, so bleibt ihm unbenommen, den Rekurrenten auf Anerken¬ nung dieses Verhältnisses resp. seiner Eigenschaft als gewesenen Collectivgesellschafter zu belangen. Eine solche Klage wäre aber unzweifelhaft ebenfalls eine rein persönliche und müßte daher auch beim st. gallischen Richter angebracht werden. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Die Beschwerde ist begründet und demnach das vor Friedens¬ richteramt Romanshorn stattgehabte Verfahren sammt allen Fol¬ gen aufgehoben.
Programmgesteuerter Zugriff
API- und MCP-Zugriff mit Filtern nach Quellentyp, Region, Gericht, Rechtsgebiet, Artikel, Zitat, Sprache und Datum.