No standing to appeal a notice of intended seizure

BK 2019 169Obergericht / Beschwerdekammer16.04.2019Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Bern Criminal Appeals Chamber held that the company's complaint against the regional prosecutor's notice of intended confiscation was not admissible. The order merely announced a possible future seizure/destruction measure and invited observations; it did not yet create an appealable detriment. The court noted that any later confiscation order would have to be challenged by objection. Because the prosecutor had incorrectly attached an appeal instruction, the canton had to bear the CHF 200 costs.

Omnilex-Regeste

Art. 382 Abs. 1 StPO, Art. 393 Abs. 1 lit. a, Art. 396 Abs. 1 StPO, Art. 377 StPO; appealability of a prosecutorial notice announcing future confiscation. A procedural act is appealable only if it immediately and adversely affects legally protected interests. A mere advance notice of an intended confiscation, coupled with an invitation to be heard, does not constitute such prejudice and is therefore not amenable to complaint. The erroneous inclusion of a remedy instruction does not create jurisdiction or appealability; the affected party may contest a later confiscation order by the ordinary objection remedy. If the authority's mistaken remedy instruction causes the filing of an inadmissible appeal, costs may be charged to the canton under Art. 417 StPO (consid. 2-3).

Gesamter Gesetzestext

BesetzungOberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichterin Bratschi, Oberrichter J. Bähler

Gerichtsschreiber Müller

VerfahrensbeteiligteA.________

Beschuldigter

B.________ AG

Beschwerdeführerin

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstrasse 10, Postfach 6250, 3001 Bern

GegenstandEinziehung

Strafverfahren wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz

Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 29. März 2019 (BJS 19 4339)

Erwägungen:

1. Im Verfahren BJS 19 4339 gegen A.________ verfügte die Regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland am 29. März 2019 was folgt:

1. Die Staatsanwaltschaft stellt in Aussicht, die im oben genannten Verfahren sichergestellten Gegenstände in analoger Anwendung von Art. 376 ff. StPO zur Vernichtung einzuziehen.

2. Die von der Einziehung betroffenen, unter Ziff. 2 erwähnten Personen erhalten Gelegenheit, sich hierzu innert einer Frist von 10 Tagen ab Erhalt der vorliegenden Verfügung zu äussern.

Diese Verfügung versah die Staatsanwaltschaft mit einer Rechtsmittelbelehrung (Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Obergerichts des Kantons Bern innert 10 Tagen). Mit Schreiben vom 9. April 2019 erhob die B.________ AG (nachfolgend: Beschwerdeführerin) dagegen Beschwerde.

2. Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft kann bei der Beschwerdekammer in Strafsachen innert 10 Tagen schriftlich und begründet Beschwerde geführt werden (Art. 393 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 396 Abs. 1 Schweizerische Strafprozessordnung [StPO; SR 312], Art. 35 Gesetz über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 Organisationsreglement des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Es ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin durch die angefochtene Verfügung unmittelbar in ihren rechtlich geschützten Interessen betroffen und somit zur Beschwerdeführung legitimiert ist (Art. 382 Abs. 1 StPO). Dies ist eindeutig nicht der Fall. Die angefochtene Verfügung vom 29. März 2019 stellt eine Einziehung der sichergestellten Gegenstände erst in Aussicht und räumt der Beschwerdeführerin dazu das rechtliche Gehör ein. Darin liegt keine zur Beschwerdeerhebung legitimierende Beschwer. Sollte die Staatsanwaltschaft die in Aussicht gestellte Einziehung tatsächlich vornehmen, steht der Betroffenen gegen den diesbezüglichen Einziehungsbefehl der Rechtsbehelf der Einsprache zur Verfügung (Art. 377 StPO). Die Verfügung vom 29. März 2019 ist nach dem Gesagten nicht beschwerdefähig; die Staatsanwaltschaft hat die erwähnte Rechtsmittelbelehrung fälschlicherweise angefügt.

Nach dem Gesagten kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden.

3. Die Kosten dieses Verfahrens trägt der Kanton Bern, da das Verfahren auf der fälschlicherweise beigefügten Rechtsmittelbelehrung beruht (Art. 417 StPO). Daraus darf der Beschwerdeführerin kein Nachteil erwachsen (vgl. z.B. BGE 117 Ia 421).

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 200.00, trägt der Kanton Bern.

Zu eröffnen:

dem Beschuldigten

der Beschwerdeführerin

der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:

der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, Staatsanwältin C.________

(mit den Akten)

Bern, 16. April 2019

Im Namen der Beschwerdekammer in Strafsachen Die Präsidentin: Oberrichterin Schnell

Der Gerichtsschreiber: Müller

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.

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Schlagwörter

confiscationadmissibilitystandingappeal instructionseizurecosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the company's appeal against the prosecutor's notice of intended confiscation/seizure was admissible

Extrahierter Entscheid

The appeal was inadmissible because the challenged order only announced a future confiscation and granted a right to be heard; it did not directly affect legally protected interests.

Extrahierte Begründung

Only directly prejudicial prosecutorial decisions are appealable. If a confiscation order is later issued, the affected person may challenge it by objection. The erroneous appeal instruction did not create appealability.

Kernrechtsfrage

Who bears the costs of the inadmissible appeal

Extrahierter Entscheid

The Canton of Bern must bear the appellate costs because the prosecutor had wrongly attached an appeal instruction.

Extrahierte Begründung

Where a party relies on an incorrect legal remedy instruction, it must not suffer a disadvantage; costs are therefore charged to the canton.

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