Cantonal court lacks jurisdiction over KVG licensing appeal

200 2015 565Verwaltungsgericht26.06.2015Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Bern Administrative Court, sitting as a single judge, held that it lacked jurisdiction over an appeal against a procedural order in a dispute concerning KVG billing authorization. Federal law assigns such matters to the Federal Administrative Court, and the competent inner-cantonal route ran to the Cantonal Government, not the administrative court. The court therefore did not enter into the appeal, ordered the file transferred to the Cantonal Government after finality, and waived court and party costs because of the special circumstances and the incorrect appeal instruction.

Omnilex-Regeste

Art. 53 KVG, Art. 64 VRPG; jurisdiction in disputes concerning authorization to bill mandatory health insurance benefits. Appeals against cantonal government decisions under Art. 55a KVG fall within the competence of the Federal Administrative Court; where the competences of the government are delegated to a cantonal directorate, the directorate’s decision is to be challenged first within the cantonal hierarchy before the competent government authority, unless special legislation provides otherwise. If the administrative court lacks subject-matter jurisdiction in the main matter, it is likewise incompetent to review incidental or procedural orders. Upon finding itself incompetent, the court shall transmit the file to the competent authority once the decision becomes final; costs may be waived in view of special circumstances, including misleading appeal instructions.

Gesamter Gesetzestext

200 15 565 KV

SCI/ABE/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 26. Juni 2015

Verwaltungsrichter Schwegler

Gerichtsschreiberin Abenhaim

A.________, Dr. med. vertreten durch Rechtsanwälte Dr. B.________ und C.________

Beschwerdeführer 1

D.________ vertreten durch Rechtsanwälte Dr. B.________ und C.________

Beschwerdeführerin 2

gegen

Kantonsarztamt Rathausgasse 1, 3011 Bern

Beschwerdegegner

Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern Rechtsamt, Rathausgasse 1, 3011 Bern

Vorinstanz

betreffend Verfügung vom 22. Mai 2015

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 26. Juni 2015, KV/15/565, Seite 1

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:

1. Die Beschwerdeführenden haben bei der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF) Beschwerde gegen eine Verfügung des Kantonsarztamts vom 24. März 2015 erhoben. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern hat ihrerseits mit prozessleitender Verfügung vom 22. Mai 2015 über das Gesuch um vorsorgliche Massnahmen im Beschwerdeverfahren entschieden. Gegen letztere Verfügung haben die Beschwerdeführenden am 17. Juni 2015 – entsprechend der Rechtsmittelbelehrung – beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. In Absprache zwischen den Abteilungspräsidien der Verwaltungsrechtlichen und der Sozialversicherungsrechtlichen Abteilungen wurde der Fall bei der Sozialversicherungsrechtlichen Abteilung registriert (vgl. Art. 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 [GSOG; BSG 161.1]).

2. Zuständig zur Beurteilung von Beschwerden gegen Beschlüsse der Kantonsregierungen nach Art. 55a des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung vom 18. März 1994 (KVG; SR 832.10) ist das Bundesverwaltungsgericht (Art. 53 Abs. 1 KVG; vgl. zum Ganzen auch den zur Publikation vorgesehenen Entscheid des Bundesgerichts vom 21. Mai 2015, 9C_849/2014). Unter diesen Umständen geht der Rechtsweg in solchen Verfahren von Bundesrechts wegen über den Regierungsrat an das Bundesverwaltungsgericht (vgl. auch Art. 33 lit. i des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht vom 17. Juni 2005 [VGG; SR 173.32]). Wo entsprechende Kompetenzen vom Regierungsrat an eine kantonale Direktion delegiert sind, ist der Entscheid der Direktion direkt beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (BGE 134 V 45). Nicht zuständig ist das kantonale Verwaltungs- oder Versicherungsgericht (vgl. das im Nachgang zu BGE 134 V 45 ergangene Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2008, 9G_2/2008, wie auch das Urteil vom 26. März 2009, 9C_35/2009).

Die kantonale Verordnung über die Ausnahmen von der Zulassungseinschränkung für Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer zur Tätigkeit zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung vom 29. Januar 2014 (ZulaV; BSG 842.111.5) enthält keine Ausnahmeregelung betreffend den innerkantonalen Rechtsweg, womit die allgemeinen Regeln des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 (VRPG; BSG 155.21) zur Anwendung gelangen. Gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. a VRPG behandelt die in der Sache zuständige Direktion Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 60 Abs. 1 lit. a VRPG der ihr untergeordneten Verwaltungseinheiten (Ämter, Abteilungen, Dienststellen), sofern nicht die Gesetzgebung ein Rechtsmittel unmittelbar an eine andere Rechtsmittelinstanz vorsieht. Die Direktion ihrerseits entscheidet als letzte kantonale Instanz, wenn es die Gesetzgebung vorsieht (Art. 62 Abs. 2 VRPG). Da eine solche Regelung hier nicht besteht (vgl. Verordnung vom 29. November 2000 über die Organisation und die Aufgaben der Gesundheits- und Fürsorgedirektion [OrV GEF; BSG 152.221.121]; vgl. auch Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 2011, S. 160 f. sowie Vortrag des Regierungsrates an den Grossen Rat betreffend das Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG], Tagblatt 2008 Beilage 11, S. 12, 14), ist kantonsintern ein im Rahmen von Art. 55a KVG getroffener Entscheid der Direktion nach Art. 64 VRPG (erster Satz sowie die Ausnahmen e contrario) beim Regierungsrat anzufechten.

3. Anfechtungsobjekt in der Hauptsache ist vorliegend die Verfügung des Kantonsarztamts vom 24. März 2015. Streitgegenstand ist dabei die Zulassung des Beschwerdeführers 1 zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung abrechnen zu können. Die Zulassung war vom Beschwerdegegner dabei unter Hinweis auf Art. 55a KVG abgelehnt worden. In der Hauptsache ist das Verwaltungsgericht damit nicht zuständig. Ist das Verwaltungsgericht in der Hauptsache sachlich nicht zuständig, so ist es auch nicht zuständig für die Beurteilung allfälliger Beschwerden gegen prozessleitende Verfügungen bzw. Zwischenentscheide (vgl. Merkli/Aeschli­mann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, N. 17 zu Art. 49). Unter diesen Umständen ist auf die Durchführung eines Schriftenwechsels vor dem Verwaltungsgericht zu verzichten (vgl. Art. 83 i.V.m. Art. 69 Abs. 1 VRPG).

4. Gestützt auf Art. 4 Abs. 1 VRPG ist die Sache nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils an die für den Entscheid zuständige Instanz, hier den Regierungsrat des Kantons Bern, weiterzuleiten.

5. Für diesen Entscheid ist der Einzelrichter zuständig (Art. 57 Abs. 1 und 2 GSOG).

6. Gesonderte Kosten sind den Parteien mit dem vor Verwaltungsgericht geführten Verfahren bzw. dessen Entscheid nicht entstanden. Die Beschwerde wird weitergeleitet. Sämtliche Fragen zu den Parteikosten werden im Rahmen des vor der zuständigen Behörde zu führenden Verfahrens zu klären sein (Art. 104 Abs. 1 VRPG).

Auf das Erheben von Verfahrenskosten wird zufolge der besonderen Umstände, insbesondere unter Berücksichtigung des (unzutreffenden) Wortlauts der Rechtsmittelbelehrung der angefochtenen Verfügung, verzichtet (Art. 108 Abs. 1 VRPG).

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Auf die Beschwerde vom 17. Juni 2015 wird nicht eingetreten.

2. Die Beschwerde vom 17. Juni 2015 sowie die entsprechenden Beilagen werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils an den Regierungsrat des Kantons Bern weitergeleitet.

3. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch Parteikosten zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):

Rechtsanwälte Dr. B.________ und C.________ z.H. der Beschwerdeführerenden

Kantonsarztamt

Rechtsamt der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern

Bundesamt für Gesundheit

Zur Kenntnisnahme:

Regierungsrat des Kantons Bern, Staatskanzlei, Postgasse 68, 3000 Bern 8 (die Akten der Beschwerdeführenden werden nach Rechtskraft dieses Urteils weitergeleitet)

Der Einzelrichter:Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung

Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.

Schlagwörter

jurisdictionhealth insuranceauthorizationinterim measurestransfer of casecourt costsparty costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the cantonal administrative court had jurisdiction over the appeal against the interim/procedural order in a KVG authorization matter.

Extrahierter Entscheid

The court lacked subject-matter jurisdiction; the matter had to be pursued before the Cantonal Government and, under federal law, the Federal Administrative Court is competent in the main matter.

Extrahierte Begründung

Under Art. 53 KVG and related federal case law, appeals against cantonal government decisions under Art. 55a KVG go to the Federal Administrative Court. Where the cantonal directorate decides instead of the government, the inner-cantonal path leads to the Cantonal Government, not the cantonal administrative court. If the court lacks jurisdiction in the main matter, it also lacks jurisdiction over interim decisions.

Kernrechtsfrage

Whether the appeal file should be forwarded to the competent cantonal authority after the judgment becomes final.

Extrahierter Entscheid

Yes. The case file must be forwarded to the Cantonal Government after the judgment enters into force.

Extrahierte Begründung

Art. 4 VRPG requires transfer to the authority competent to decide the matter once the lack of jurisdiction is established.

Kernrechtsfrage

Whether court costs or party costs should be charged.

Extrahierter Entscheid

No court costs were levied and no party costs were awarded due to the special circumstances, including an inaccurate appeal instruction.

Extrahierte Begründung

The court exercised its discretion to waive costs under Art. 108 VRPG and noted that no separate party-cost issues had arisen before it.

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