B. Gerichtsentscheide 3609
3. Zivilprozess 3609 Eheschutzverfahren. Novenrecht (Art. 317 Abs. 1 ZPO ). Im Anwendungs-bereich von Art. 296 ZPO lassen die Einzelrichter des Obergerichts Noven unbeschränkt zu. Aus den Erwägungen: Der Berufungskläger hat neue Behauptungen aufgestellt und neue Be-weismittel eingereicht. Es stellt sich die Frage, ob dies zulässig sei. Gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO sind Noven nur dann zu berücksichtigen, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor ers-ter Instanz vorgebracht werden konnten. Dies gilt nach dem Bundesgericht auch in Fällen, in denen die Untersuchungsmaxime gemäss Art. 272 ZPO vorgeschrieben ist (BGE 138 III 625, in: Pra 2013, Nr. 26; vgl. auch: Entscheid des Obergerichts Schaffhausen vom 23. Oktober 2012, in: SJZ 109 (2013), S. 290; Christoph Leuenberger, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Zivilprozessrecht im Jahr 2011, in: ZBJV 149 (2013), S. 253 ff.; Benedikt Sei-ler, Die Berufung nach ZPO, Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 1265 ff.). Noch nicht entschieden hat das Bundesgericht, ob das Novenverbot auch in Kinderbe-langen gilt. Die Einzelrichter des Obergerichts halten es diesbezüglich mit der II. Zivilkammer des Obergerichts Zürichs, die im Anwendungsbereich der strengen Erforschungsmaxime gemäss Art. 296 ZPO Noven unbeschränkt zu-lässt (Entscheide LC130019-O/U vom 8. Mai 2013 und NQ110056-O/U vom 6. Dezember 2011, publiziert auf: http://www.gerichte-zh.ch/entscheide/ entscheide-neue-zpo.html; vgl. auch Kantonsgericht Waadt, Entscheid vom 14. März 2011, in: SZZP 2011, S. 319 ff.). OGP, 11.11.2013 59