Lawyer duties under BGFA: missed deadline, set-off, secrecy

AVV.2010.2Übriges Gericht / Anwaltskammer20.08.2010Not Examined

Zusammenfassung

This text is a digest of three disciplinary decisions concerning lawyers under the BGFA. It states that missing an appeal deadline after miscalculating it constitutes a breach of Art. 12 lit. a BGFA; that client funds must be handed over on request under Art. 12 lit. h BGFA, subject to set-off limits and especially the client’s maintenance needs; and that Art. 13 BGFA does not justify a blanket secrecy waiver request without a sufficiently concrete and substantiated case.

Regest

Art. 12 lit. a, Art. 12 lit. h and Art. 13 BGFA; professional duties of counsel, set-off of client assets and release from secrecy: compliance with procedural deadlines is a core obligation of the lawyer and requires correct statutory deadline calculation, including the rules on court vacations and prevailing case law. Under Art. 12 lit. h BGFA, assets received for the client must be released on request, but the lawyer's set-off right is limited where the client's subsistence would be endangered. A release from professional secrecy requires a concrete, sufficiently substantiated request enabling the authority to conduct the necessary balancing of interests; a general precautionary application for hypothetical future disputes is insufficient.

Gesamter Gesetzestext

44 Obergericht 2010 4 Art. 12 lit. a BGFA. Verpasste Rechtsmittelfrist: Dafür zu sorgen, dass Rechtsmittelfristen eingehalten werden, ist eine zentrale und wichtige Aufgabe eines Anwalts. Ein Rechtsanwalt muss wissen, wie eine Frist zu berechnen ist und ob die Gerichtsferien im jeweiligen Fall Geltung haben. Dafür ist es zwingend notwendig, den jeweiligen Gesetzestext zu konsultieren, und es wird vorausgesetzt, dass die herrschende Lehre und Gerichtspraxis dazu bekannt sind. Es liegt daher eine Verletzung von Art. 12 lit. a BGFA vor, wenn ein Anwalt die Frist falsch berechnet und in einem Haftfall (§ 52 Abs. 1 Satz 2 StPO) die Frist zur Einreichung eines Rechtmittels verpasst. Aus den Entscheiden der Anwaltskommission vom 20. August 2010, i.S. G. und L. (AVV.2010.2 und AVV.2010.3) 5 Art. 12 lit. h BGFA. Ein Anwalt hat gestützt auf Art. 12 lit. h BGFA seinem Klienten die Vermögenswerte, die er von diesem oder von Dritten erhält, auf entsprechendes Begehren hin sofort herauszugeben. Diese Pflicht steht unter dem Vorbehalt des Verrechnungsrechts. Der Anwalt darf jedoch Forderungen seines Klienten nicht mit eigenen Forderungen verrechnen, wenn er annehmen muss, dass seinem Klienten durch eine Verrechnung Mittel entzogen würden, die dieser für den laufenden Unterhalt benötigt. Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 1. April 2010, i.S. G. (AVV.2008.47) 6 Art. 13 BGFA. Keine Entbindung vom Berufsgeheimnis, wenn der Anwalt vorsorglich ein pauschales Gesuch stellt, um sich vor allfälligen künftigen "Angriffen" einer Drittperson in den Medien wehren zu können; damit die Anwaltskommission die notwendige Interessenabwägung vornehmen kann, bedarf es eines ausreichend substantiierten Gesuchs hinsichtlich eines konkreten Falls. Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 18. Oktober 2010, i.S. X. (AVV.2006.26)

Schlagwörter

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