Unentgeltliche legal aid does not shift costs in debt release proceedings

AGVE_2009_5Zivilgericht / IV. Zivilkammer16.12.2008Other

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Obergericht held that in first-instance debt release proceedings, a legally aided defendant does not obtain a final exemption from court costs: the fee must be offset against the plaintiff’s advance and recovered from the defendant under Art. 68 SchKG. The court explained that constitutional legal aid secures access to court and exemption from advance payment, but not assumption of the final costs. In a separate observation concerning arbitration, the court stated that a recusal ground based on prior participation in the same matter as legal adviser is absolute and cannot be forfeited by a late challenge.

Omnilex-Regeste

Art. 68 SchKG; Art. 29 Abs. 3 BV; court costs in debt-enforcement release proceedings and scope of legal aid. In proceedings governed by Art. 68 SchKG, the creditor bears the risk that enforcement costs may remain unrecoverable; consequently, the first-instance fee is not to be provisionally noted against a legally aided defendant, but must be charged to the plaintiff’s advance and ultimately recovered from the debtor. Constitutional legal aid guarantees access to court and exemption from advance payment only, not a general exemption from costs in the final judgment. Separately, a recusal ground based on prior participation in the same matter in another capacity is an absolute ground to be observed ex officio; a challenge based thereon is not forfeited by delay (consid. 3.2, 6).

Gesamter Gesetzestext

2009 Zivilprozessrecht 35 dies gilt auch dann, wenn der Grund der Bestreitung darin liegt, dass der Unternehmer eine Mängelhaftung überhaupt ablehnt; ob und wie lange der Besteller nach erfolgter Klageerhebung noch befugt ist, die Nachbesserungserklärung durch eine Wandelungs- oder Minderungserklärung zu ersetzten, beurteilt sich nach dem anwendbaren Prozessrecht (Gauch, a.a.O., Rz. 1845). Denn auch bei der Geltendmachung von Mängelrechten handelt es sich um die Ausübung von Gestaltungsrechten und - sofern im Prozess erfolgend - um die Ausübung von der Novenordnung unterstehenden Angriffs- bzw. Verteidigungsmitteln (Bühler, a.a.O., S. 18 und 83). 5 Art. 68 SchKG. § 125 ZPO Im erstinstanzlichen Rechtsöffnungsverfahren ist die Gerichtsgebühr dem in der unentgeltlichen Rechtspflege prozessierenden Beklagten nicht vorzumerken, sondern mit dem Kostenvorschuss des Klägers zu verrechnen und diesem vom Beklagten zu ersetzen bzw. vom Kläger von den Zahlungen des Beklagten vorab zu erheben. Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 16. Dezember 2008 i.S. S.B. GmbH gegen F.S. Aus den Erwägungen

3.2.

Die Vorinstanz bewilligte dem Beklagten die unentgeltliche Rechtspflege. Gestützt darauf merkte sie ihm im Kostenspruch die Verfahrenskosten vor, verpflichtete ihn aber gleichzeitig, der Klägerin die von ihr vorgeschossene Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- zu ersetzen, was sich widerspricht. Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr ist dem Beklagten nicht vorzumerken, sondern mit dem Kostenvorschuss der Klägerin zu verrechnen und dieser vom Beklagten zu ersetzen bzw. von dieser von den Zahlungen des Beklagten vorab zu erheben. Das ist die Konsequenz von Art. 68 SchKG, wonach der Gläubiger das Risiko, dass die Betreibungskosten vom Schuldner nicht ersetzt werden, trägt (Emmel, Kommentar zum Bundesgesetz

36 Obergericht 2009 über Schuldbetreibung und Konkurs, Basel/Genf/München 1998, Art. 68 N. 4 mit Hinweisen). Dies verletzt den Anspruch des Beklagten auf unentgeltliche Rechtspflege nicht, da der Minimalanspruch gestützt auf die Bundesverfassung (Art. 29 Abs. 3 BV) einzig den Zugang zum Gericht, d.h. die Befreiung von der Kostenvorschusspflicht, nicht aber die Übernahme der Verfahrenskosten im Endentscheid durch den Staat, d.h. die Befreiung von der Kostenauflage im Endentscheid, garantiert (BGE 122 I 322 ff.; Bühler/Edelmann/Killer, Kommentar zur aargauischen Zivilprozessordnung, Aarau/Frankfurt am Main/Salzburg 1998, Vorbem. §§ 124-134 N. 3 und § 126 N. 2 mit Hinweisen). Der weiter gehende Anspruch gemäss § 126 lit. a ZPO, welcher die (vorläufige) Befreiung von der Bezahlung der durch Urteil auferlegten Kosten vorsieht, wird durch Art. 68 SchKG ausgeschlossen. Nach dieser Bestimmung trägt der Schuldner die Betreibungskosten, welche vom Gläubiger vorzuschiessen sind und von ihm von den Zahlungen des Schuldners vorab erhoben werden können, was nicht möglich ist, wenn sie dem Schuldner in der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen vorgemerkt werden. Der Kostenspruch der Vorinstanz ist daher von Amtes wegen zu korrigieren, weil er widersprüchlich ist und der Offizialmaxime untersteht (Bühler/Edelmann/Killer, a.a.O., § 121 N. 1). Der Minimalanspruch nach Art. 29 Abs. 3 BV (ebenso wie § 126 lit. b Ziff. 2 ZPO) befreit im Übrigen auch nicht von der Bezahlung einer Parteientschädigung an die Gegenpartei (BGE 122 I 322 ff.). 6 Art. 30 Abs. 1 BV, Art. 18, 19 und 20 KSG Gemäss Art. 18 Abs. 1 KSG i.V.m. Art. 34 Abs. 1 lit. b BGG besteht bei Schiedsgerichtsverfahren ein Ausstandsgrund, wenn ein Schiedsrichter in der gleichen Sache bereits in anderer Stellung, insbesondere als Rechtsberater einer Partei, tätig war. Dieser Ausstandsgrund entspricht demjenigen von § 2 lit. c ZPO; er ist somit von Amtes wegen zu beachten und wirkt absolut. Ein gemäss Art. 20 KSG verspätet gestelltes Ablehnungsbegehren, welches mit dem erwähnten Ausstandsgrund begründet wird, führt demnach auch im Schiedsverfahren nicht zur Verwirkung des Ablehnungsrechts.

Schlagwörter

debt enforcementlegal aidcourt costscost allocationrecusalarbitrationforfeitureconstitutional access to court

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the first-instance court fee may be merely noted against a legally aided defendant in a debt release proceeding

Extrahierter Entscheid

No. The court fee must be set off against the plaintiff's advance and reimbursed by the defendant, or collected from the defendant's payments before remittance to the plaintiff.

Extrahierte Begründung

Art. 68 SchKG places the risk of unrecoverable enforcement costs on the creditor. The minimum constitutional right to legal aid under Art. 29 Abs. 3 BV guarantees access to court and exemption from advance payment, but not state assumption of costs in the final judgment; therefore the broader cantonal legal-aid rule is displaced.

Kernrechtsfrage

Whether a late challenge in arbitration is forfeited when based on a mandatory ground of bias due to prior service as legal adviser in the same matter

Extrahierter Entscheid

No. Such a challenge is not forfeited by lateness.

Extrahierte Begründung

Under Art. 18 Abs. 1 KSG in conjunction with Art. 34 Abs. 1 lit. b BGG, prior involvement in the same matter in another role, especially as legal adviser, constitutes an absolute ground for recusal that must be raised ex officio; therefore Art. 20 KSG does not lead to forfeiture in this situation.

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