B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l
Abteilung III C-3761/2019
Urteil vom 13. Februar 2020 Besetzung
Richter Daniel Stufetti (Vorsitz), Richterin Viktoria Helfenstein, Richter Vito Valenti, Gerichtsschreiberin Anna Wildt.
Parteien
A._______ AG, vertreten durch Rechtsanwältin Thalia Weibel, Beschwerdeführerin,
gegen
Zollinspektorat Aarau, handelnd durch Oberzolldirektion (OZD), Hauptabteilung, Vorinstanz.
Gegenstand
Lebensmittelgesetz, Rückweisung von Tabakprodukten; Neuverlegung der Verfahrenskosten und Parteientschädi- gung nach Urteil BGer 2C_433/2019 vom 12. Juli 2019.
C-3761/2019 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass das Zollinspektorat Aarau (nachfolgend: Vorinstanz) mit Verfügung vom 14. September 2016 Waren im Umfang von 78.5 kg mit den Bezeich- nungen ON! White Chewing Bags Berry, ON! White Chewing Bags Citrus und ON! White Chewing Bags Mint sowie mit Verfügung vom 28. Septem- ber 2016 Waren im Umfang von 133 kg mit der Bezeichnung Chewing Bags Al Capone Vanilla zurückgewiesen und die von der A._______ AG dage- gen erhobenen Einsprachen vom 19. und 30. September 2016 mit Ein- spracheentscheiden vom 21. Oktober 2016 abgewiesen hat (Akten der Vo- rinstanz [act.] 4, 6, 10 und 12), dass die A._______ AG (nachfolgend: Beschwerdeführerin) gegen diese beiden Einspracheentscheide am 4. November 2016 durch ihre Rechtsver- tretung Beschwerden erheben liess, woraufhin das Bundesverwaltungsge- richt mit Zwischenverfügung vom 10. November 2016 die Beschwerdever- fahren C-6831/2016 und C-6834/2016 vereinigte und unter der Verfahrens- nummer C-6831/2016 weiterführte sowie einen Kostenvorschuss von Fr. 3'000.– erhob (C-6831/2016, Akten im Beschwerdeverfahren [BVGer act.] 1 und 2), dass das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerden mit Urteil C-6831/2016, C-6834/2016 vom 20. März 2019 abgewiesen, der Be- schwerdeführerin die Verfahrenskosten auferlegt und keine Parteientschä- digung zugesprochen hat (C-6831/2016, BVGer act. 51), dass die Beschwerdeführerin gegen dieses Urteil mit Eingabe vom 8. Mai 2019 Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bun- desgericht erhoben hat, mit dem Antrag, das Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts, die beiden Einspracheentscheide vom 21. Oktober 2016 und die Verfügungen vom 14. und 28. September 2016 seien aufzuheben und die Eidgenössische Zollverwaltung (EVZ) sei anzuweisen, die zurück- gewiesenen Waren umgehend der Beschwerdeführerin zuzustellen; even- tualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen (C-6831/2016, BVGer act. 55 samt Beilage), dass das Bundesgericht die Beschwerde mit Urteil 2C_433/2019 vom 12. Juli 2019 gutgeheissen, das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. März 2019 aufgehoben, sich stützend auf ein Urteil des BGer in einem vergleichbaren Fall 2C_718/2018 vom 27. Mai 2019, und die EVZ angewiesen hat, die zurückgewiesene Ware der Beschwerdeführerin um- gehend zuzustellen (Dispositiv-Ziff. 1) und ihr für das bundesgerichtliche
C-3761/2019 Seite 3 Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 6'098.15 zu bezahlen (Dispo- sitiv-Ziff. 3); zur Neuverteilung der Kosten und der Parteientschädigung für das vorangegangene Verfahren wurde die Sache an das Bundesverwal- tungsgericht zurückgewiesen (Dispositiv-Ziff. 4), dass demnach das Bundesverwaltungsgericht das Verfahren zur Neuver- legung der Kosten und der Parteientschädigung unter der Verfahrensnum- mer C-3761/2019 wieder aufgenommen hat, dass im Sinne der bundesgerichtlichen Erwägungen neu über die Kosten und die Parteientschädigung für das Verfahren C-6831/2016, C-6834/2016 zu befinden ist, dass die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei aufzuer- legen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass mit Blick auf die Gutheissung der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten im Urteil 2C_433/2019 und die Anweisung an die EZV, die zurückgewiesene Ware umgehend der Beschwerdeführerin zuzustel- len, von einem vollständigen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszuge- hen ist, dass der Beschwerdeführerin demnach keine Kosten aufzuerlegen sind und ihr der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 3'000.- nach Eintritt der Rechtskraft auf ein von ihr zu benennendes Konto zurückzuerstatten ist, dass der unterliegenden Vorinstanz keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 2 VwVG), dass die Beschwerdeinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwach- sene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen kann (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), dass die Vorinstanz keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario; Art. 7 Abs. 3 VGKE), dass der obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung zuzusprechen ist,
C-3761/2019 Seite 4 dass die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 30. Juli 2019 aufgefordert wurde, die pauschal geltend gemachten Kosten der Vertretung im Verfahren C-6831/2016, C-6834/2016 detailliert auszuwei- sen, andernfalls aufgrund der Akten entschieden werde (BVGer act. 2), dass die Rechtsvertretung mit Kostennote vom 28. August 2019 (BVGer- act. 3) für die Bemühungen im Zeitraum vom 25. Oktober 2016 bis 29. Ja- nuar 2019 einen Betrag von insgesamt Fr. 45‘250.30 geltend machte, wel- cher sich zusammensetzt aus einem Honorar von Fr. 44‘883.– (149.61 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 300.-) sowie Auslagen von Fr. 367.30 und Fr. 198.60 anführte, dass nicht der geltend gemachte, sondern nur der notwendige Aufwand zu entschädigen ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 792/04 vom 1. Dezember 2006 E. 5.2; Urteil des BGer 8C_723/2009 vom 14. Januar 2010 E. 4.3), dass der vorliegend geltend gemachte Zeitaufwand von 149.61 Stunden weit über jenem von vergleichbaren durchschnittlichen Fällen liegt, so na- mentlich die gleich gelagerten Fälle gemäss den Urteilen BVGer C- 2735/2019 vom 20. Juni 2019 und C-6568/2016 vom 15. Juli 2019, ferner die analogen Fälle betreffend die Einfuhr von Lebensmittel, Gebrauchsge- genstände, Tabakprodukte gemäss den Urteilen BVGer C-6568/2016 vom 15. Juli 2019, C7997/2015 vom 24. April 2018, dass der geltend gemachte Zeitaufwand aus den nachstehenden Gründen als zu hoch erscheint, weshalb er wie folgt anzupassen ist:
C-3761/2019 Seite 5 sen», «Kopierarbeiten», «Beilagen ausdrucken, Beilagen sortie- ren», «Admin.», «Fristenkontrolle», «Zettel an Klientschaft», «Fina- lisieren» von Rechtsschriften.
C-3761/2019 Seite 6
C-3761/2019 Seite 7 kann ein Aufwand in der Höhe von 45 Minuten berücksichtigt wer- den (vgl. «Prüfen Verfügung BVGer» vom 1. März 2017 und vom 6. April 2017 und «Schreiben an Klientschaft» vom 6. April 2017, wo- bei der gleichzeitig geltend gemachte Aufwand für «Mail an RA B._______ ([...])» vom 6. April 2017 nicht zu berücksichtigen ist). Für Sekretariatsarbeiten, administrativen sowie unnötigen Aufwand wie oben beschrieben werden 1.8 Stunden geltend gemacht, wel- che nicht zu berücksichtigen sind.
C-3761/2019 Seite 8 oralen Gebrauch seien im Vergleich zu anderen Produkten mit we- niger Gesundheitsrisiken behaftet). Für Sekretariatsarbeiten, admi- nistrativen sowie unnötigen Aufwand wie oben beschrieben werden 23.66 Stunden geltend gemacht, welche nicht zu berücksichtigen sind. Angemessen erscheint für das Verfassen dieser Beweismitte- leingabe ein Aufwand von maximal fünf Stunden.
C-3761/2019 Seite 9 dass für die mittels Kaufquittungen vom 16. Januar, 2. und 8. März 2018 (BVGer act. 3, Beilage) belegten Aufwendungen von insgesamt Fr. 198.60 für Einkäufe von Drittprodukten Ersatz verlangt werden kann, dass keine Mehrwertsteuer geschuldet ist, zumal die Rechtsvertreterin ge- mäss Register nicht mehrwertsteuerpflichtig ist und in der Honorarnote auch keine Mehrwertsteuer geltend macht, dass somit unter Berücksichtigung des gebotenen und aktenkundigen Auf- wands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit der vorlie- gend zu beurteilenden Fragen ein Aufwand von 30 Stunden angemessen ist, was bei einem Stundenansatz von Fr. 300.- (Art. 10 Abs. 2 VGKE) ein Honorar von Fr. 9’000.– ergibt, so dass – zuzüglich Auslagen von Fr. 565.90 – eine Parteientschädigung von Fr. 9'565.90 resultiert, welche der Beschwerdeführerin zu Lasten der Vorinstanz zuzusprechen ist, dass für den vorliegenden Kostenentschied keine Kosten aufzuerlegen sind (Art. 6 Bst. b VGKE) und auch von einer Parteientschädigung abzuse- hen ist (Art. 7 ff. VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
C-3761/2019 Seite 10 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Für das Verfahren C-6831/2016, C-6834/2016 werden keine Verfahrens- kosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvor- schuss von Fr. 3‘000.- nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur- teils zurückerstattet. 2. Der Beschwerdeführerin wird für das Verfahren C-6831/2016, C-6834/2016 zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 9'565.90 zugesprochen. 3. Für das vorliegende Verfahren werden keine Verfahrenskosten erhoben und keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde; Beilage: Formular Zahladresse) – die Vorinstanz (Ref-Nr. [...]; Gerichtsurkunde; Beilage: Doppel der Ein- gabe vom 29. August 2019) – das Bundesamt für Gesundheit (Einschreiben)
Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.
Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:
Daniel Stufetti Anna Wildt
C-3761/2019 Seite 11 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver- tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Un- terschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).
Versand: