LVwG T LVwG-2022/37/2549-9

LVwG-2022/37/2549-9Landesverwaltungsgericht20.03.2023

Regest

Einforstungsrecht<br/>Weiderecht<br/>Holzbezugsrecht<br/>Streubezugsrecht<br/>Waldbodenbenutzungsrecht<br/>Ablöse<br/>

Gesamter Gesetzestext

Landesverwaltungsgericht Tirol LVwG-2022/37/2549-9

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 20.03.2023
  • ECLI: ECLI:AT:LVWGTI:2023:LVwG.2022.37.2549.9

Begründung

IM NAMEN DER REPUBLIK

Das Landesverwaltungsgericht Tirol erkennt durch seinen Richter Dr. Hirn über die Beschwerde des AA, Adresse 1, **** Z, gegen die Spruchpunkte 1. und 4. des Bescheides der Tiroler Landesregierung als BB-Behörde vom 22.08.2022, Zl ***, soweit sich die genannten Spruchpunkte auf die Liegenschaft EZ ***1 („CC“) beziehen, sowie über die Beschwerde des DD, Adresse 2, **** Y, vertreten durch EE, Rechtsanwalt in **** X, gegen die Spruchpunkte 2. und 4. des Bescheides der Tiroler Landesregierung vom 22.08.2022, Zl ***, soweit sich diese auf die Liegenschaft EZ ***2 („FF“) beziehen, sowie gegen Spruchpunkt 3. des Bescheides der Tiroler Landesregierung als BB-Behörde vom 22.08.2022, Zl *** [belangte Behörde: Tiroler Landesregierung als BB-Behörde, mitbeteiligte Parteien: Republik Österreich (KK), GG-Gmbh, Gemeinde Z), betreffend ein Verfahren nach dem Wald- und Weideservitutengesetz, nach Abhaltung einer öffentlichen mündlichen Verhandlung

zu Recht:

1. Die Beschwerden werden als unbegründet abgewiesen.

2. Gegen dieses Erkenntnis ist eine ordentliche Revision nach Art 133 Abs 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

I.Verfahrensgang:

1. Verfahrensgang bei der belangten Behörde:

Mit Schriftsatz vom 25.04.2020 (richtig: 25.04.2021) beantragte die Republik Österreich, vertreten durch die KK AG, die Tiroler Landesregierung als BB-Behörde möge unter Inanspruchnahme ihrer Zuständigkeit gemäß § 38 Abs 2 Wald- und Weideservitutengesetz (WWSG)

a)feststellen, dass die in EZ ***3 GB ***** Z unter C-LNR *** und *** einverleibten Dienstbarkeiten der Weide infolge Freilassungserklärung des Liegenschafts-eigentümers betreffend die berechtigten Liegenschaften in EZ ***4 und EZ ***5 die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, nicht belasten, sowie hinsichtlich des Brennholz-, Nutzholz- und Streubezugsrechtes zugunsten der Liegenschaft in EZ ***4 gemäß C-LNR *** und der Holzbezugs-, Streubezugs-, und Waldboden-benützungsrechte zu C-LNR *** eine Lastenfreistellung verfügen;

b)feststellen, dass sich die unter der C-LNR *** einverleibten Dienstbarkeiten der Weide für EZ ***6 und EZ ***1 örtlich nicht auf die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, beziehen und erstrecken, weshalb diese Grundstücke lastenfrei sind;

c)in Bezug auf die unter C-LNR *** einverleibten Weidedienstbarkeiten zugunsten der Liegenschaft EZ ***7 und der Liegenschaft EZ ***2 feststellen, dass die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, aufgrund Inneliegens bezogen auf die im Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, dargestellte Fläche von diesen Weiderechten freigestellt sind;

d)betreffend die unter C-LNR *** einverleibte Weidedienstbarkeit zugunsten der Liegenschaft in EZ ***2 eine zu c) inhaltlich gleichlautende Feststellung treffen;

e)in Bezug auf die Einsprüche zu den Dienstbarkeiten des Holzbezuges, Streubezuges und der Waldbodenbenützungsrechte (jeweils einverleibt unter C-LNR ***) bezogen auf die Liegenschaften in EZ ***7, ***2, ***5, ***6, ***1, ***8, ***9 und ***10, alle GB ***** Z, jeweils aufgrund der rechtskräftigen Rodungsbewilligung gemäß dem Bescheid der Bezirkshauptmannschaft W vom 07.02.2018, Zl *** (Spruchpunkt II.), eine vollständige Lastenfreistellung betreffend die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, vornehmen.

Die KK AG wies in ihrem Antrag daraufhin, dass hinsichtlich des Gst Nr **4 in EZ ***3 GB ***** Z eine Teilung in Eigenbesitz durchgeführt worden sei, wonach folgende neue Grundstücke gebildet worden seien:

Gst Nr **1 im Ausmaß von 6.587 m2

Gst Nr **2 im Ausmaß von 1.320 m2

Gst Nr **3 im Ausmaß von 1.263 m2

Um zum Zweck der Realisierung des Projektes „Parken und Wohnen“ die lastenfreie Abschreibung der vorstehend näher bezeichneten neugebildeten Grundstücke zu ermöglichen, sei aufbauend auf der vorgelegten Planurkunde ein Aufforderungsverfahren zur lastenfreien Abschreibung durchgeführt worden. Mehrere Nutzungsberechtigte hätten allerdings Einsprüche gegen die lastenfreie Abschreibung der Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, vom Gutsbestand der Liegenschaft EZ ***3 GB ***** Z erhoben. Davon ausgehend erläuterte die Antragstellerin die einforstungsrechtlichen Verhältnisse.

Zum Beschwerdeführer AA, **** Z Nr ***, hielt die Antragstellerin fest, dass die zugunsten der Liegenschaft „CC“ EZ ***1 bestehenden Weiderechte auf den neugebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, nicht lasten würden. Dies bestätige die von der (damaligen) Abteilung *** verfasste Aufstellung vom 17.11.2010.

Die Weiderechte der Liegenschaft EZ ***2 („FF“) des Beschwerdeführers DD bezogen auf C-LNR *** seien von der Weidefreistellung gemäß dem Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, erfasst. Dies gelte auch in Bezug auf das unter C-LNR *** einverleibte Weiderecht. In Bezug auf den Einspruch der Liegenschaft „FF“ zu C-LNR *** sei auf die rechtskräftig erteilte Rodungsbewilligung – Spruchpunkt II. des Bescheides der Bezirkshauptmannschaft W vom 07.02.2018 – zu verweisen. Zur Erhebung eines Einspruches für die Nachbarschaft „V“ sei der Beschwerdeführer DD nicht legitimiert. Gemäß § 1 der Verordnung über die Einführung der deutschen Gemeindeordnung im Lande Österreich vom 15.09.1938 sei die Gemeinde Z alleinige Rechtsnachfolgerin der Nachbarschaft „V“, deren vormalige Einforstungsrechte seien daher ausschließlich der Gemeinde Z zugeordnet.

Dem Ansuchen waren verschiedene Schriftsätze beigefügt, darüber hinaus verwies die Antragstellerin auf bereits mit Schriftsatz vom 27.10.2020 vorgelegte Unterlagen.

Mit Schriftsatz vom 09.08.2021, Zl ***, erstattete der agrarfachliche/agrartechnische Amtssachverständige JJ zu den unter b) bis d) des Feststellungsantrages vom 25.04.2021 formulierten Begehren eine Stellungnahme.

Mit Schriftsatz vom 09.09.2021 informierte die Republik Österreich die BB-Behörde darüber, dass für die verfahrensgegenständlichen Gste Nrn **1, **2 und **3 die Einlagezahlen (EZlen) ***11, ***12 und ***13, jeweils GB ***** Z, gebildet worden seien. Folglich würden sich die Feststellungsanträge vom 25.04.2021 auf die neugebildeten Liegenschaften in EZ ***11, ***12 und ***13, alle GB ***** Z, beziehen. Dieser Mitteilung waren wiederum verschiedene Unterlagen beigefügt.

Mit Schriftsatz vom 07.12.2021 teilte die GG-Gmbh (kurz: GG) mit, dass sie mit Kaufvertrag vom 22.12.2020 die Gste Nrn **1 und **3, alle GB ***** Z, sowie mit Tauschvertrag vom 18.11.2020 das Gst Nr **2, GB ***** Z, erworben habe. Auf der Grundlage des Kauf- und Tauschvertrages sei sie nunmehr grundbücherliche Eigentümerin der Gste Nrn **1 in EZ ***11, **2 in EZ ***12 sowie des Gst Nr **3 in EZ ***13. Als Rechtsnachfolgerin der Republik Österreich (KK AG) und grundbücherliche Eigentümerin der eben genannten Grundstücke schließe sich die GG dem Antrag der Republik Österreich vom 25.04.2021 vollumfänglich an und trete dem im Betreff angeführten Verfahren als Partei bei.

Davon ausgehend beantragte die GG, die Tiroler Landesregierung als BB-Behörde möge unter Inanspruchnahme ihrer Zuständigkeit gemäß § 38 Abs 2 WWSG

a)feststellen, dass sich die unter C-LNR *** in EZ ***11, C-LNR *** in EZ ***12 sowie C-LNR *** in EZ ***13 einverleibten Dienstbarkeiten der Weide für EZ ***6 und EZ ***1 örtlich nicht auf die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, beziehen und erstrecken, weshalb diese Grundstücke lastenfrei sind;

b)in Bezug auf die unter C-LNR *** in EZ ***11, C-LNR *** in EZ ***12 und C-LNR *** in EZ ***13 einverleibten Weidedienstbarkeiten zugunsten der Liegenschaften in EZ ***7 und EZ ***2 feststellen, dass die Gste Nrn **1, **2 und **3, aufgrund Inneliegens bezogen auf die im Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, dargestellte Fläche von diesen Weiderechten freigestellt sind;

c)betreffend die unter C-LNR *** in EZ ***11, C-LNR *** in EZ ***12 und C-LNR *** in EZ ***13 einverleibten Weidedienstbarkeiten zugunsten der Liegenschaft EZ ***2 eine zu b) inhaltlich gleichlautende Feststellung treffen;

d)in Bezug auf die Einsprüche zu den Dienstbarkeiten des Holzbezuges, Streubezuges und der Waldbodenbenützungsrechte (jeweils einverleibt unter C-LNR *** in EZ ***11, C-LNR *** in EZ ***12 und C-LNR *** in EZ ***13) bezogen auf die Liegenschaften in EZ ***7, ***2, ***6, ***1, ***8, ***9 und ***10, alle GB ***** Z, jeweils aufgrund der rechtskräftigen Rodungsbewilligung gemäß Bescheid der Bezirkshauptmannschaft W vom 07.02.2018, Zl ***, eine vollständige Lastenfreistellung betreffend die Gste Nrn **1, **2 und **3, jeweils GB ***** Z, vornehmen.

Mit Bescheid vom 22.08.2022, Zl ***, hat die belangte Behörde über die Anträge der Republik Österreich (KK) vom 25.04.2021 und 09.09.2021 sowie der GG vom 07.12.2021 auf Feststellung über den Bestand und Neuregulierung von Nutzungsrechten wie folgt entschieden:

„1.Es wird festgestellt, dass sich die in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, je KG ***** Z, jeweils unter C-LNR *** einverleibten Dienstbarkeiten der Weide für EZ ***6 und EZ ***1 nicht auf die Gst **1, **2 und **3 beziehen und erstrecken, weshalb diese Grundstücke mit gegenständlichen Weiderechten nicht belastet sind.

2. Es wird festgestellt, dass sich die in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, je KG ***** Z, jeweils unter C-LNR *** einverleibten Dienstbarkeiten der Weide für EZ ***7 und EZ ***2 nicht auf die Gst **1, **2 und **3 beziehen und erstrecken, weshalb diese Grundstücke mit gegenständlichen Weiderechten nicht belastet sind.

3. Es wird festgestellt, dass sich die in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, je KG ***** Z, jeweils unter C-LNR *** einverleibte Dienstbarkeit der Weide für EZ ***2 nicht auf die Gst **1, **2 und **3 bezieht und erstreckt, weshalb diese Grundstücke mit gegenständlichem Weiderecht nicht belastet sind.

4. Die in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, je KG ***** Z, jeweils unter C-LNR *** einverleibte Dienstbarkeit des Holzbezuges, des Streubezuges und der Waldbodenbenützung zu Gunsten der Liegenschaften in EZ ***10, EZ ***9, EZ ***8, EZ ***1, EZ ***6, EZ ***2 und EZ ***7 sowie der Gemeinde Z als Rechtsnachfolgerin der Nachbarschaften (NB) U, T und V wird dahingehend neu reguliert, als die Gst **1, **2 und **3 von diesen Nutzungsrechten entlastet werden.“

Davon ausgehend hat die belangte Behörde ergänzend in dem zitierten Bescheid angeführt, dass nach Rechtskraft desselben die Richtigstellung des Grundbuches GB ***** Z durch näher umschriebene Eintragungen von Amts wegen veranlasst wird.

Mit Schriftsatz vom 13.09.2022 hat AA, Adresse 1, **** Z, Beschwerde gegen den Bescheid vom 22.08.2022, Zl ***, erhoben und beantragt, den angefochtenen Bescheid aufzuheben.

Mit Schriftsatz vom 16.09.2022 hat DD, Adresse 2, **** Y, vertreten durch EE, Rechtsanwalt in **** X, Beschwerde gegen die Spruchpunkte 2. bis 4. des Bescheides der Tiroler Landesregierung als BB-Behörde vom 22.08.2022, Zl ***, erhoben und beantragt, die angefochtenen Spruchpunkte des zitierten Bescheides aufzuheben und die entsprechenden Anträge der Republik Österreich (KK) sowie der GG auf Feststellung über den Bestand und Neuregulierung von Nutzungsrechten abzuweisen; hilfsweise wird beantragt, die angefochtenen Spruchpunkte des zitierten Bescheides aufzuheben und die Angelegenheit zur neuerlichen Verhandlung und Erlassung eines neuen Bescheides an die belangte Behörde zurückzuverweisen.

Mit Schriftsatz vom 04.10.2022, Zl ***, hat die belangte Behörde den Gegenstandsakt mit dem Ersuchen um Entscheidung über die Beschwerden des AA und des rechtsfreundlich vertretenen DD gegen den Bescheid vom 22.08.2022, Zl ***, dem Landesverwaltungsgericht Tirol vorgelegt.

2. Verfahrensgang beim Landesverwaltungsgericht Tirol:

Zu den Beschwerdevorbringen äußerte sich die GG mit Schriftsatz vom 28.11.2022 und die KK AG mit Schriftsatz vom 29.11.2022.

Am 02.03.2023 hat die öffentliche mündliche Verhandlung stattgefunden. Der Beschwerdeführer AA verwies im Wesentlichen auf sein bisheriges Vorbringen, insbesondere die Beschwerde vom 13.09.2022 samt Beilagen. Ergänzend hielt er fest, dass kein Einwand gegen die von der belangten Behörde getroffenen Feststellungen bestünden, sofern das ihm [= dem Beschwerdeführer] eingeräumte Weiderecht auf den übrigen Flächen sichergestellt sei. Dies sei allerdings derzeit nicht der Fall, da die Weidebedeckung lediglich zwischen 30 und 40 % betrage.

Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers DD verwies auf das bisherige Vorbringen, insbesondere in der Beschwerde vom 16.09.2022. Ergänzend betonte er, dass die Vereinbarung vom 14.07.2016 Voraussetzung für die agrarbehördliche Freistellung und die Rodungsbewilligung gemäß dem Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, gewesen sei.

Die Vertreter der mitbeteiligten Parteien – GG und KK AG als Vertreterin der Republik Österreich – verwiesen auf die zu den Ausführungen der beiden Beschwerdeführer bereits erstatteten Stellungnahme vom 28.11.2022 (GG) und 29.11.2022 (KK AG). Der Bürgermeister der Gemeinde Z sowie der Vertreter der belangten Behörde verwiesen auf die Darlegungen im angefochtenen Bescheid. Der Vertreter der belangten Behörde hielt zudem ergänzend fest, dass für die gegenständlichen Beschwerdeverfahren die Vereinbarung vom 14.07.2016 rechtlich nicht relevant sei. Entscheidend sei vielmehr, dass mit dem agrarbehördlichen Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, die Freistellung der verfahrensgegenständlichen Grundstücke – damals noch eine Teilfläche des Gst Nr **4, GB ***** Z – ohne Bedingungen festgestellt worden sei. Das Parteienübereinkommen sei zwar genehmigt worden, davon sei jedoch die angeordnete Freistellung einer genau definierten Teilfläche zu trennen. Von den gegenständlichen Beschwerdeverfahren sei ein Verfahren nach § 4 WWSG zu unterscheiden, das darauf abziele, Weiderechte für erloschen zu erklären. Allerdings sei eine Löschung zu begründen und folglich für eine solche Anordnung ein konkreter Zweck anzuführen.

Beweis wurde aufgenommen durch die Einvernahme der beiden Beschwerdeführer AA und DD, des LL als Vertreter der KK AG, des Prokuristen MM als Vertreter der GG, des Bürgermeisters der Gemeinde Z sowie des Vertreters der belangten Behörde, jeweils als Partei, durch die Einvernahme des agrarfachlichen/agrartechnischen Amtssachverständigen JJ sowie durch Einsichtnahme und Verlesung des Aktes der belangten Behörde und des Aktes des Landesverwaltungsgerichtes Tirol, jeweils samt Beilagen.

Das Landesverwaltungsgericht Tirol hat den Beweisantrag des Beschwerdeführers AA auf Einholung eines Gutachtens zur Abklärung der Frage, ob die im Weidebezirk „NN Weide“ bestehenden Weiderechte überhaupt noch gedeckt seien, sowie den Beweisantrag des Beschwerdeführers DD auf Einholung eines Gutachtens zur Abklärung der Frage, ob auf der Grundlage der Rodungsbewilligung gemäß Spruchpunkt II. des Bescheides der belangten Behörde vom 22.05.2017, Zl ***, tatsächlich Reinweideflächen geschaffen worden seien, als unerheblich zurückgewiesen.

II.Beschwerdevorbringen und Vorbringen der mitbeteiligten Parteien:

1. Vorbringen des Beschwerdeführers AA:

Der Beschwerdeführer betonte die Verpflichtung der BB-Behörde, bestehende Weiderechte in deren Umfang zu schützen und die Weiderechte schmälernde Handlungen durch den Grundbesitzer zu untersagen. Der belangten Behörde sei bekannt, dass das ihm [= dem Beschwerdeführer] eingeräumte Weiderecht nicht gedeckt sei. Entsprechende Anträge seien bei der belangten Behörde eingebracht worden. Erst wenn das zu seinen Gunsten bestehende Weidrecht auf den übrigen Flächen hergestellt werde, dürfe eine eventuelle Freistellung der verfahrensgegenständlichen Teilflächen erfolgen.

2. Vorbringen des Beschwerdeführers DD:

Der Beschwerdeführer hob zunächst hervor, er sei Alleineigentümer der Liegenschaft „FF“ EZ ***2 GB ***** Z. Mit dem Eigentum dieser Liegenschaft sei die auf den EZ ***11, ***12 und ***13, alle GB ***** Z, einverleibte Dienstbarkeit der Weide auf den Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, verbunden; dies gelte auch für die Dienstbarkeit des Holzbezuges, des Streubezuges und der Waldbodennutzung. Die vorstehenden, mit diesen Rechten belasteten Grundstücken seien einst aus dem Gst Nr **4, GB ***** Z, gebildet worden.

Der Beschwerdeführer betonte, die Gemeinde Z habe mit ihm und weiteren Dienstbarkeitsberechtigten an dem ursprünglichen Gst Nr **4, GB ***** Z, im damaligen Eigentum der Republik Österreich (KK) eine Vereinbarung geschlossen. Laut dieser Vereinbarung habe die Gemeinde Z auf einer Teilfläche des Gst Nr **4 GB ***** Z, ein Hochgaragen- und Wohnbauprojekt realisieren wollen. Dafür sei die Weidefreistellung der von diesem Projekt betroffenen Teilfläche im Ausmaß von ca einem Hektar erforderlich gewesen. Er [= der Beschwerdeführer] habe mit der Vereinbarung seine Zustimmung ausschließlich gegenüber der Gemeinde Z als Bauherrin und Projektantin abgegeben. Mit Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, sei das zwischen den Weideberechtigten, unter anderem ihm, und der Gemeinde Z abgeschlossene Parteienübereinkommen vom 14.07.2016 genehmigt und die Freistellung der nun mehr neugebildeten Gste Nrn **1, **2, **3, alle GB ***** Z, verfügt worden. Die durch den Ertragsverlust vorgeschriebene Weideverbesserung in Form einer Rodung sei allerdings nicht entsprechend umgesetzt worden.

Voraussetzung für den nunmehr bekämpften Bescheid sei die Erfüllung des dem Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, zugrundeliegenden Sachverhaltes. Die belangte Behörde habe nicht ermittelt, ob die inhaltlichen Erfordernisse und Voraussetzungen, die zum Bescheid vom 22.05.2017 geführt hätten, bei der Erlassung des nunmehr angefochtenen Bescheides vorlägen. Bei Durchführung eines ordentlichen Ermittlungsverfahrens hätte sich herausgestellt, dass tatsächlich der dem Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, zugrundeliegende Sachverhalt und die darauf abgestellte rechtliche Beurteilung samt Spruch nicht gegeben seien. Die Anträge der Republik Österreich und der GG (als neuer Grundeigentümerin) auf Freistellung wären daher abzuweisen gewesen. Mit der Parteienvereinbarung vom 14.07.2016 sei der Eindruck erweckt worden, dass man ein Sozialprojekt seitens der Gemeinde Z und auch im Eigentum der Gemeinde Z umsetzen wolle. Tatsächlich sei ein davon unterschiedliches Immobilienprojekt verfolgt worden, dem er [= der Beschwerdeführer] keinesfalls zugestimmt hätte. Die GG sei nicht Partei des durch die BB-Behörde mit Bescheid vom 22.05.2017 genehmigten Parteienübereinkommens gewesen, sondern die Gemeinde Z. Der angefochtene Bescheid sei daher in Folge der Verletzung von Verfahrensvorschriften rechtswidrig.

3. Vorbringen der GG:

Die GG hielt zunächst fest, dass sie als Eigentümerin der Liegenschaften in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, alle GB ***** Z, die Umsetzung des Projektes „Parken und Wohnen Z“ auf den genannten Liegenschaften beabsichtige. Schon im Zeitpunkt der Erlassung des Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, sei allgemein bekannt gewesen, dass die Gemeinde Z die Umsetzung dieses Projektes in Zusammenarbeit mit der GG als gemeinnütziger Bauvereinigung plane. Die diesbezüglichen ersten öffentlichen Gemeindeversammlungen samt Projektvorstellungen hätten bereits 2012 stattgefunden. Dem Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, sei auch nicht zu entnehmen, dass die Gemeinde Z bei der Umsetzung des Projektes selbst als Bauherrin und Projektantin auftrete. Die höchstpersönliche Umsetzung des Projektes durch die Gemeinde Z sei nicht Inhalt des Bescheides bzw der „Parteienvereinbarung“.

Die Umsetzung des Projektes durch sie [= GG] erfülle den Zweck der Schaffung von Wohnraum für die Bevölkerung sowie das Personal der ansässigen Tourismusbetriebe und könne nicht von „Spekulationsobjekten“ ausgegangen werden. Warum die im Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen nicht bescheidmäßig erfolgt sein sollen, sei den Ausführungen des Beschwerdeführers DD nicht zu entnehmen.

Unabhängig davon betonte die GG, dass es sich bei ihr um eine gemeinnützige Bauvereinigung handle, die jeweils zur Hälfte im Eigentum des Landes Tirol und der Stadt X stehe. Sie unterliege den Bestimmungen des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes (WGG), welches klare Vorgaben enthielte, wie die Kalkulation von Mieten und Kaufpreisen zu erfolgen haben. Ihr könne schon aus diesen Gründen keine Spekulationsabsicht bei dem gegenständlichen Bauvorhaben unterstellt werden.

Zum Vorbringen des Beschwerdeführers AA hält die GG fest, dass der Beschwerdeführer die von ihm behauptete Schmälerung des Umfanges seines Weide-rechtes nicht näher erläutere.

4. Vorbringen der KK AG:

Zur Beschwerde des AA (EZ ***1, „CC“) hielt die KK AG fest, dass sich die nunmehr in den Liegenschaften in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, jeweils GB ***** Z, jeweils unter C-LNR *** einverleibte Dienstbarkeit der Weide unter anderem zugunsten der EZ ***1 nicht auf die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, beziehe und erstrecke, da diese Grundstücke nicht mit dem gegenständlichen Weiderecht zugunsten der EZ ***1 belastet seien. Ergänzend dazu verweist die KK AG auf Befund und Gutachten des landwirtschaftlichen Amtssachverständigen JJ. Unabhängig davon hob die KK AG hervor, dass der Weidefreistellungsfläche im Gesamtausmaß von 9.170 m2 Ersatzweideflächen im Gesamtausmaß von 16.387 m2 gegenüberstünden, sodass sich die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Unterbedeckungssituation verbessert habe.

Zur Beschwerde des DD brachte die KK AG vor, dass die nunmehr in den Liegenschaften EZ ***11, ***12 und ***13 je GB ***** Z, jeweils unter C-LNR ***, C-LNR *** und C-LNR *** einverleibten Einforstungsrechte (Weiderechte sowie Holzbezugs-, Streubezugs- und Waldbodenbenützungsrechte) zugunsten der Liegenschaft EZ ***2 GB ***** Z („FF“) nicht mehr bestünden und diese Flächen von den übrigen Einforstungsrechten entlastet worden seien.

Die KK AG bestritt, dass der Beschwerdeführer DD seine Zustimmung zur Weidefreistellung unabdingbar mit der Tatsache verknüpfen habe wollen, dass die Gemeinde Z höchstpersönlich das Hochgaragen- und Wohnungsprojekt realisiere. Dies lasse sich aus der Vereinbarung vom 14.07.2016, auf deren Grundlage in weiterer Folge der Bescheid vom 22.05.2017, Zl ***, erging, nicht ableiten. Entsprechende Vorbehalte habe der Beschwerdeführer auch nicht gemacht. Zudem handle es sich bei der GG um einen gemeinnützigen Wohnbauträger, dem durch die zwingenden Bestimmungen des WGG enge immobilienwirtschaftliche Grenzen gezogen seien und gerade die gesetzlich vorgegebene Gemeinnützigkeit geeignet sei, die vom Beschwerdeführer befürchteten Spekulationen zu verhindern. Zudem sei der durch die freiwillige Weidefreistellung eingetretene Weideflächenverlust durch die Bereitstellung von Ersatzweideflächen im beinahe doppelt so großem Gesamtausmaß deutlich überkompensiert worden.

III.Sachverhalt:

1. Feststellungen zu den Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z:

Am 14.07.2016 schlossen die Weideberechtigten der OOer Weide und die Gemeinde Z eine Vereinbarung ab. Diese Vereinbarung lautet wie folgt:

„Von der Gemeinde Z, **** Z HNr ***, wird auf einer Teilfläche des Grundstückes **4, ein Hochgaragen- und Wohnungsprojekt realisiert.

Dafür ist die Weidefreistellung der betreffenden Teilfläche im Ausmaß von ca. 1 ha erforderlich. Begrenzt ist diese Fläche im Süden durch den Forstweg, im Norden durch den Z-Bach, im Westen durch den PP-Bach und im Osten läuft diese Fläche spitz zusammen.

Weiters wird vereinbart, die Umgriffsfläche der QQ-Höhle (Gp. ***) weidefrei zu stellen.

Hinsichtlich der Weiderechte der OOer Weide auf diesen Flächen wird folgende Vereinbarung getroffen:

Die Weideberechtigten der OOer Weide stimmen zu, dass auf der genannten Fläche die Weidebelastung gelöscht wird. Die Gemeinde Z verpflichtet sich, einen Zaun von Höhe PP-Bach bis Höhe alte RR-Hütte südlich der Forststraße dauerhaft zu errichten, zu erhalten und in Stand zu setzen.

Die KK AG, als Vertreter der Republik Österreich, stellt folgende Flächen dauerhaft frei von Forstbewuchs zur Verfügung:

Der nördl. Teil der SS-Rinne, begrenzt im Norden durch die Forststraße, im Süden durch den best. Wanderweg mit einer Fläche von ca 5.000 m2. Siehe Lagepl. 1

Den mittleren und oberen Teil der TT-Rinne in einem Gesamtausmaß von ca 10.000 m2. Siehe Lageplan 2.

Die genaue Auslage der Ausbuchtungen wird vor Ort festgelegt.

Beide Flächen werden im Zuge des Verfahrens durch die BB-Behörde planlich dargestellt, vermessen und es wird die Möglichkeit eingeräumt, eine Nicht-Waldfeststellung durchzuführen.

Die Weideberechtigten der OOer Weide bestätigen hiermit, dass mit diesen Maßnahmen sämtliche Forderungen abgegolten sind.

Unterzeichnende:

[…]

DD (FF) eh

[…]

Bürgermeister UU eh

[…]“

Im Zeitpunkt der Vertragsvereinbarung war die Republik Österreich (KK) grundbücherliche Alleineigentümerin des Gst Nr **4, GB ***** Z.

Mit Spruchpunkt I. des Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, genehmigte die belangte Behörde das Parteienübereinkommen vom 14.07.2016 und verfügte in dem mit Bescheid vom 23.02.1959, Zl ***, eingeleiteten Servitutenverfahren hinsichtlich der teilweisen Neuregulierung der OOer Weide die Freistellung der im beiliegenden, einen wesentlichen Bestandteil dieses Bescheides bildenden Lageplan der Abteilung BB des Amtes der Tiroler Landesregierung vom 16.05.2017, Zl ***, grün lasiert dargestellten Flächen

a)Umgriffsfläche QQ-Höhle auf Gst **5 GB ***** Z im Ausmaß von 1.355 m2

b)„Parken und Wohnen“ auf Gst Nr **4, GB ***** Z im Ausmaß von 9.755 m2

von den auf diesen Flächen zugunsten näher bezeichneter Liegenschaften, jeweils GB ***** Z, lastenden Weiderechte. Ausdrücklich werden die zugunsten der Liegenschaft „FF“ in EZ ***2 GB ***** Z eingeräumten Dienstbarkeiten genannt.

Mit Spruchpunkt II. des Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, erteilte die belangte Behörde der Republik Österreich (KK), vertreten durch die KK AG, Forstbetrieb R, die Bewilligung zur dauernden Rodung der im Lageplan vom 16.05.2017, Zl ***, rot lasiert dargestellten Flächen, sämtliche auf dem Gst Nr **4, GB ***** Z, unter Einhaltung verschiedener Nebenbestimmungen. Die Rodungsbewilligung bezog sich auf drei Rodungsflächen, nämlich die RFL 01 im Ausmaß von 2.769 m2, die RFL 02 im Ausmaß von 6.212 m2 und die RFL 03 im Ausmaß von 7.406 m2.

Die Gültigkeit dieser Rodungsbewilligung war an die ausschließliche Verwendung der Rodungsflächen zum beantragten Zweck, nämlich der Schaffung von Reinweideflächen im Rahmen der Servitutenneuregulierung VV-Weide, GB ***** Z, gebunden (Nebenbestimmung 1.). Gemäß der Nebenbestimmung 12. des zitierten Spruchpunktes war eine Stockrodung nur kleinflächig möglich und nur „wenn sie vom Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung BB als zulässig erklärt wird“. Dabei war auf eine allfällige Erosionsgefahr Bedacht zu nehmen.

In weiterer Folge veranlasste die Republik Österreich (KK) die Teilung des (damals) in ihrem Alleineigentum stehenden Gst Nr **4, GB ***** Z, wodurch die folgenden weiteren Grundstücke gebildet worden sind.

Gst Nr **1 im Ausmaß von 6.587 m2

Gst Nr **2 im Ausmaß von 1.320 m2

Gst Nr **3 im Ausmaß von 1.263 m2.

Um zum Zweck der Realisierung des Projektes „Parken und Wohnen“ die lastenfreie Abschreibung der eben angeführten neugebildeten Grundstücke zu ermöglichen, wurde ein Aufforderungsverfahren zur lastenfreien Abschreibung durchgeführt. Mehrere Nutzungsberechtigte – ua die beiden Beschwerdeführer AA und DD – erhoben Einsprüche gegen die lastenfreie Abschreibung der Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z.

Die Teilung des Gst Nr **4 in die Grundstücke **4, **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, genehmigte der Bürgermeister der Gemeinde mit Bescheid vom 20.10.2020, Zl ***, auf der Grundlage der Planurkunde der Vermessung WW GmbH vom 09.10.2017, Zl ***.

Mit Kaufvertrag vom 22.12.2020 verkaufte die Republik Österreich (KK) das Gst Nr **1 sowie das Gst Nr **3, beide GB ***** Z, an die GG. Zudem übereignete die Republik Österreich (KK) mit Tauschvertrag vom 18.11.2020 das Gst Nr **2, GB ***** Z, an die GG.

Die Verbücherung dieses Kaufvertrages ist zwischenzeitlich erfolgt. Die GG ist daher nunmehr grundbücherliche Eigentümerin der Gst Nr **1, **2 und Gst Nr **3, alle GB ***** Z.

Das neugebildete Gst Nr **1 wurde in die neue EZ ***11, das Gst Nr **2 in die neue EZ ***12 und das Gst Nr **3 in die neue EZ ***13, alle GB ***** Z, übertragen. Diese Übertragung bewilligte das Bezirksgericht Q mit Beschluss vom 31.08.2021, ***.

Bereits mit Spruchpunkt I. des Bescheides vom 07.12.2018, Zl *** und ***, erteilte die Bezirkshauptmannschaft W der GG die naturschutzrechtliche Bewilligung für das Projekt „Parken – Wohnen Z“ auf den Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z. Mit Spruchpunkt II. des eben zitierten Bescheides erteilte die Bezirkshauptmannschaft W der Gemeinde Z die forstrechtliche Bewilligung zur vorübergehenden Rodung von 325 m2 auf dem Gst Nr **4 sowie zur dauernden Rodung der gesamten Flächen der Gste Nrn **1, **2 und **4, alle GB ***** Z, zur Umsetzung des Projektes „Parken und Wohnen“.

Mit Beschluss (Spruchpunkt I.)/Erkenntnis (Spruchpunkt II.) vom 31.08.2018, Zl ***, wies das Landesverwaltungsgericht Tirol die Beschwerde des nunmehrigen Beschwerdeführers DD gegen die naturschutzrechtliche Bewilligung als unzulässig zurück (Beschluss) und dessen Beschwerde gegen die forstrechtliche Rodungsbewilligung als unbegründet ab (Erkenntnis).

Die verfahrensgegenständlichen Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, sind aufgrund des Beschlusses des Gemeinderates der Gemeinde Z vom 12.09.2017, aufsichtsbehördlich genehmigt mit Bescheid der Tiroler Landesregierung vom 07.03.2019, Zl ***, als Wohngebiet im Sinne des § 38 Abs 1 Tiroler Raumordnungsgesetz (TROG) gewidmet.

2. Feststellungen zu den Einforstungsrechten der Liegenschaft EZ ***1 („CC“):

2.1. Zu den Weiderechten:

Mit der Liegenschaft EZ ***3 GB ***** Z ist im C-Blatt unter LNr. *** die Dienstbarkeit der Weide auf den Gste Nrn ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, ***, **4, **6 gemäß Abschnitt III./Kapitel B./3. der Servitutenregulierungsurkunde vom 21.03.1889 unter anderem auch für die Liegenschaft „CC in EZ ***1“ verbunden.

Der Beschwerdeführer als nunmehriger Eigentümer der Liegenschaft EZ ***1 „CC“, GB ***** Z, ist damit Weideberechtigter der NN-Weide. Die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, befinden sich aber innerhalb des Weidebezirks XX-Weide, an den die NNer Weide westlich angrenzt. Die Grenze zwischen den beiden genannten Weidegebieten verläuft entlang eines Litzenzaunes, des sogenannten „YY-Zaunes“.

2.2. Zu den sonstigen Einforstungsrechten:

Auf der Grundlage des Servitutenneuregulierungsplans der belangten Behörde vom 14.11.2003, Zl ***, sind der Liegenschaft EZ ***1 „CC“, GB ***** Z, in einem genau definierten Ausmaß folgende Einforstungsrechte eingeräumt:

jährlicher Bezug von Bau-, Nutz- und Zaunholz

jährlicher Bezug von Brennholz

jährlicher Bezug von Streu (und zwar Ast- und Bodenstreu)

Darüber hinaus ist der EZ ***1 „CC“ ein Waldbodenbenützungsrecht und damit das Recht zum Bezug von Kalkholz, Bau- und Kalksteinen, Sand, Lehm und Schotter eingeräumt.

Diese zugunsten der EZ ***1 „CC“ bestehenden Einforstungsrechte sind in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, jeweils GB ***** Z, unter C-LNR *** als Dienstbarkeit des Holzbezugs, Streubezuges und der Waldbodenbenützung einverleibt. Die Ausübung der Holzbezugsrechte erfolgt dahingehend, dass durch den jeweiligen Förster eine Auszeige der zu gewinnenden Bäume erfolgt. Bei den Streunutzungsrechten und den Waldbodenbenützungsrechten wird vom Förster das jeweilige Gebiet ausgezeichnet, innerhalb dessen die Einforstungsberechtigten ihre Rechte ausüben können.

Die Entlastung der Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, von den eben beschrieben Nutzungsrechten führt zu keiner Schmälerung des zugunsten der Liegenschaft EZ ***14 „CC“ gemäß dem Servitutenneuregulierungsplan der belangten Behörde vom 14.11.2003, Zl ***, eingeräumten Holzbezugs-, Streunutzungs- und Waldbodenbenützungsrechtes.

3. Feststellungen zu den Einforstungsrechten der Liegenschaft EZ ***2 („FF“):

3.1. Zu den Weiderechten:

Die neugebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, liegen innerhalb der gemäß Spruchpunkt I. des Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, freigestellten Flächen (grün lasiert im Lageplan der Abteilung Agrarwirtschaft des Amtes der Tiroler Landesregierung vom 10.08.2021, Zl ***). Die in der Liegenschaft EZ ***3 GB ***** Z im C-Blatt unter der LNR *** zugunsten der EZ ***2 „FF“ einverleibte Weidedienstbarkeit, unter anderem auf dem Gst Nr **4, GB ***** Z, bezieht sich daher nicht auf die neugebildeten Gste Nrn **1, **2, **3, alle GB ***** Z.

Mit Bescheid vom 17.12.1953, Zl ***, hat die BB-Behörde ein Parteienüberein-kommen zur Aufteilung der dem BBBer-Gut mit dem BBBer-Haus aufgrund der Servituten-regulierungsurkunde *** vom 21.03.1889, verfacht am 29.05.1989 folio *** Verfach-buch III. Teil, auf dem in der GB ***** Z einliegenden Grundbesitz der Republik Österreich (KK), vorgetragen in EZ ***3 GB ***** Z genehmigt. Laut diesen Parteienübereinkommen wurden der Liegenschaft EZ ***2 „FF“ Weiderechte im Ausmaß von 2,5 Kuhgräsern im Weidegebiet ZZ zugeordnet. Dieses zugunsten der Liegenschaft EZ ***2 eingeräumte Weiderecht, einverleibt im C-Blatt der EZ ***3 GB ***** Z unter der LNR Nr ***, besteht an Flächen östlich des im Lageplan Zl *** eingetragenen Wirtszaunes und erstreckt sich daher örtlich nicht auf die im Weidegebiet AAA liegenden, neugebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z.

3.2. Zu den sonstigen Einforstungsrechten:

Auf der Grundlage des Servitutenneuregulierungsplans der belangten Behörde vom 14.11.2003, Zl ***, sind der Liegenschaft EZ ***2 „FF“, GB ***** Z, in einem genau definierten Ausmaß folgende Einforstungsrechte eingeräumt:

jährlicher Bezug von Bau-, Nutz- und Zaunholz

jährlicher Bezug von Brennholz

jährlicher Bezug von Streu (und zwar Ast- und Bodenstreu)

Darüber hinaus ist der EZ ***2 „FF“ ein Waldbodenbenützungsrecht und damit das Recht zum Bezug von Kalkholz, Bau- und Kalksteinen, Sand, Lehm und Schotter eingeräumt.

Diese zugunsten der EZ ***2 „FF“ bestehenden Einforstungsrechte sind in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, jeweils GB ***** Z, unter C-LNR *** als Dienstbarkeit des Holzbezugs, Streubezuges und der Waldbodenbenützung einverleibt. Die Ausübung der Holzbezugsrechte erfolgt dahingehend, dass durch den jeweiligen Förster eine Auszeige der zu gewinnenden Bäume erfolgt. Bei den Streunutzungsrechten und den Waldbodenbenützungsrechten wird vom Förster das jeweilige Gebiet ausgezeichnet, innerhalb dessen die Einforstungsberechtigten ihre Rechte ausüben können.

Die Entlastung der Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, von den eben beschrieben Nutzungsrechten führt zu keiner Schmälerung des zugunsten der Liegenschaft EZ ***2 „FF“ gemäß dem Servitutenneuregulierungsplan der belangten Behörde vom 14.11.2003, Zl ***, eingeräumten Holzbezugs-, Streunutzungs- und Waldbodenbenützungsrecht.

IV.Beweiswürdigung:

Die Teilung des Gst Nr **4 und die dadurch erfolgte Neubildung der Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, die Eigentumsverhältnisse an den neugebildeten Grundstücken sowie deren Widmung sind unstrittig. Die Vereinbarung vom 14.07.2016, der Bescheid der belangten Behörde vom 22.05.2017, Zl ***, der Bescheid der Bezirkshauptmannschaft W vom 07.02.2018, Zl *** und ***, und die Entscheidung des Landesverwaltungsgerichtes Tirol vom 31.08.2018, Zl ***, sind Bestandteile des Aktes der belangten Behörde. Darüber hinaus konnte das Landesverwaltungsgericht Tirol ergänzend auf die Angaben der KK AG in deren Antrag vom 25.04.2021 sowie in der Mitteilung vom 09.09.2021 und die mit den zitierten Schriftsätzen vorgelegten Unterlagen zurückgreifen. Den Beschluss des Gemeinderates der Gemeinde Z vom 12.09.2017 betreffend die Widmung der nachfolgend gebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, einschließlich der aufsichtsbehördlichen Genehmigung vom 07.03.2019, Zl ***, hat die Gemeinde Z mit Schriftsatz vom 12.12.2022 übermittelt.

Die angeführten Beweismittel bilden die Grundlage für die Feststellungen in Kapitel 1. der Sachverhaltsdarstellung des gegenständlichen Erkenntnisses. Die vom Beschwerdeführer DD geforderte Erhebung im Hinblick auf die in der Vereinbarung vom 14.07.2016 „dauerhaft frei von Forstbewuchs“ zu stellenden Flächen – die dafür erforderliche Rodungsbewilligung erteilte die belangte Behörde mit Spruchpunkt II. des Bescheides vom 22.05.2017, Zl *** – war im Hinblick auf die rechtskräftige Freistellungserklärung gemäß Spruchpunkt I. des Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, nicht erforderlich. Auf die entsprechenden Darlegungen des Kapitels „Erwägungen“ des gegenständlichen Erkenntnisses wird verwiesen.

Die Feststellungen zu den zugunsten der Liegenschaft EZ ***1 „CC“ (Beschwerdeführer AA) bestehenden Weiderechten, einverleibt in EZ ***3 GB ***** Z, stützen sich auf Befund und Gutachten des agrarfachlichen/agrartechnischen Amtssachverständigen vom 09.08.2021, Zl ***. Der Amtssachverständige erläuterte seine Darlegungen im Rahmen der öffentlichen mündlichen Verhandlung am 02.03.2023 insbesondere unter Hinweis auf die Servitutenregulierungsurkunde Nr *** vom 21.03.1889. Der agrarfachliche/agrar-technische Amtssachverständige nahm bei seinen Darlegungen auch Bezug auf den von der Abteilung Agrarwirtschaft des Amtes der Landesregierung erstellten Lageplan „Servitutenneuregulierung – Darstellung Projekt ‚Parken und Wohnen´ und ‚Umgriffsfläche QQ-Höhle‘ – Weideverbesserungsflächen“. Auf diesem Lageplan sind durch eine entsprechende farbliche Gestaltung die Weidegebiete „NN Weide“, „AAA-Weide“ und „ZZ-Weide“, die neu parzellierten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, sowie die aufgrund des agrarbehördlichen Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, freigestellten Flächen ersichtlich. In diesem Lageplan sind zudem die als Ersatz für die freigestellten Flächen gerodeten Weideverbesserungsflächen sowie die in der Servitutenregulierungsurkunde Nr *** vom 21.03.1889 beschriebenen Grenzen (Zäune) eingezeichnet. Der agrarfachliche/agrartechnische Amtssachverständige hat schlüssig und nachvollziehbar ausgeführt, dass die dem Beschwerdeführer AA (EZ ***1 „CC“) eingeräumten Weiderechte im Weidegebiet „NN Weide“ bestehen. Dies hat der Beschwerdeführer AA im Rahmen der mündlichen Verhandlung auch nicht bestritten. Er argumentierte damit, dass im Weidegebiet „NN Weide“ eine Unterdeckung bestehe, er somit seine Weiderechte nicht vollständig ausüben könne und ihm folglich das Recht zustehe, seine Weiderechte ersatzweise im Weidegebiet „AAA-Wiese“ auszuüben. Damit zeigt der Beschwerdeführer AA allerdings nicht auf, dass der EZ ***1 „CC“ Weiderechte im Weidegebiet „XX-Weide“ zugeordnet sind (vgl diesbezüglich auch die Ausführungen in Kapitel „Erwägungen“ des gegenständlichen Erkenntnisses).

Dementsprechend trifft das Landesverwaltungsgericht Tirol zu den Weiderechten des Beschwerdeführers AA die Feststellungen in Kapitel 2.1. der Sachverhaltsdarstellung des gegenständlichen Erkenntnisses.

Der Antrag des Beschwerdeführers AA auf Einholung eines Gutachtens zur Abklärung der Frage, ob im Hinblick auf die im Weidegebiet „NN Weide“ bestehenden Weiderechte eine Unterdeckung gegeben ist, war als unerheblich zurückzuweisen. Gegenstand dieses Verfahrens ist unter anderem die von der belangten Behörde in Spruchpunkt 1. des Bescheides vom 22.08.2022, Zl ***, getroffene Feststellung, dass die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, von zugunsten der EZ ***1 „CC“ bestehenden Weiderechten nicht belastet ist. Die Klärung dieser Rechtsfrage steht in keinem sachlichen Zusammenhang mit der vom Beschwerdeführer AA behaupteten Unterdeckung im Weidegebiet „NN Weide“.

Die zugunsten der EZ ***1 „CC“ eingeräumten sonstigen Einforstungsrechte sind im Servitutenneuregulierungsplan vom 14.11.2003, Zl ***, eigens angeführt. Deren Ausübung hat LL anlässlich seiner Einvernahme in der mündlichen Verhandlung am 02.03.2023 nachvollziehbar und unwidersprochen beschrieben. Der Beschwerdeführer AA selbst hat diesbezüglich angeführt, durch den angefochtenen Bescheid in diesen Rechten nicht beeinträchtigt zu sein. Zu den sonstigen Einforstungsrechten (Holzbezugs-, Streunutzungs- und Waldbodenbenützungsrecht) ist zudem auf die Darlegungen in Kapitel „Erwägungen“ des gegenständlichen Erkenntnisses zu verweisen.

Dementsprechend lauten die Feststellungen des Kapitels 2.2. der Sachverhaltsdarstellung des gegenständlichen Erkenntnisses.

Der agrarfachliche/agrartechnische Amtssachverständige JJ hat bereits in Befund und Gutachten vom 09.08.2021, Zl ***, ausdrücklich festgehalten, dass die drei neugebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, innerhalb der mit Spruchpunkt I. des agrarbehördlichen Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, freigestellten Fläche im Weidegebiet „XX“ liegen. Dies hat der agrarfachliche/agrar-technische Amtssachverständige im Rahmen der mündlichen Verhandlung am 02.03.2023 nochmals unter Bezugnahme auf den Lageplan vom 10.08.2021, Zl ***, erläutert. Der Beschwerdeführer DD als Eigentümer der EZ ***2 „FF“ hat den schlüssigen und nachvollziehbaren Sachverständigendarlegungen nicht widersprochen, sondern vielmehr die Rechtswidrigkeit des angefochtenen Bescheides mangels Vorliegens der im agrarbehördlichen Bescheid vom 22.05.20217, Zl ***, formulierten Voraussetzungen behauptet. Weder sei das mit diesem Bescheid genehmigte Parteien-übereinkommen vom 14.07.2016 (Spruchpunkt I.) erfüllt, noch seien entsprechend der Rodungsbewilligung (Spruchpunkt II.) tatsächlich Reinweideflächen geschaffen worden. Auf dieses Vorbringen wird im Rahmen der rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Bei der zugunsten der Liegenschaft EZ ***2 „FF“ in der EZ ***3 GB ***** Z im C-Blatt unter LNR Nr *** einverleibten Dienstbarkeit hat das Landesverwaltungsgericht Tirol insbesondere auf den vom agrarfachliche/agrartechnische Amtssachverständigen seinem Gutachten vom 09.08.2021, Zl ***, beigefügten agrarbehördlichen Bescheid vom 17.12.1953, Zl ***, zurückgegriffen. Aus diesem Bescheid – Genehmigung eines Parteienübereinkommens betreffend die Aufteilung der ehemals dem BBB-Gut mit dem alten BBB-Haus zugeordneten Einforstungsrechten – ist klar zu entnehmen, dass die darin zugunsten der EZ ***2 „FF“ eingeräumten Weiderechte im Weidegebiet „ZZ-Weide“, nicht aber im Weidegebiet „XX-Weide“ liegen.

Auf der Basis der eben angeführten Beweismittel trifft das Landesverwaltungsgericht Tirol die Feststellungen des Kapitels 3.1. der Sachverhaltsdarstellung des gegenständlichen Erkenntnisses.

Die zugunsten der EZ ***2 „FF“ eingeräumten sonstigen Einforstungsrechte sind im Servitutenneuregulierungsplan vom 14.11.2003, Zl ***, eigens angeführt. Deren Ausübung hat LL anlässlich seiner Einvernahme in der mündlichen Verhandlung am 02.03.2023 nachvollziehbar und unwidersprochen beschrieben. Mit einer allfälligen Einschränkung dieser Nutzungsrechte hat sich bereits das Landesverwaltungsgericht Tirol in seinem Erkenntnis (Spruchpunkt II.) vom 31.08.2018, Zl ***, aufgrund der von DD gegen die mit Spruchpunkt II. des Bescheides der Bezirkshauptmannschaft W vom 07.02.208, Zl ***, erteilten Rodungsbewilligung auseinandergesetzt. Das Landesverwaltungsgericht Tirol traf dabei die Feststellung, dass die erteilte Rodungsbewilligung keine Einschränkung der Nutzungsrechte (Holzbezugs-, Streunutzungs- und Waldbodenbenützungsrecht) des Beschwerdeführers DD bewirkt.

Dementsprechend lauten die Feststellungen in Kapitel 3.2. der Sachverhaltsdarstellung des gegenständlichen Erkenntnisses.

V.Rechtslage:

1. Wald- und Weideservitutengesetz:

Die entscheidungswesentlichen Bestimmungen des Wald- und Weideservitutengesetzes (WWSG), LGBl Nr 21/1952, zuletzt geändert durch LGBl Nr 138/2019, lauten samt Überschriften auszugsweise wie folgt:

„Zuständigkeit der BB-Behörde

§ 38. (1) BB-Behörde ist Landesregierung. Die Bestimmungen dieses Gesetzes und die Anordnungen die aufgrund des kaiserlichen Patentes vom 5. Juli 1853, RGBl. Nr. 130, des Landesgesetzes vom 19. Juni 1909, LGBl. Nr. 37/1911, und dieses Gesetzes in Regulierungsplänen oder Satzungen, in Erkenntnissen und genehmigten Vergleichen getroffen wurden, sind unter Ausschluss des Rechtsweges von der BB-Behörde durchzuführen.

(2) Die BB-Behörde entscheidet, ob und inwieweit eine Ablösung oder Regulierung stattfindet. Sie entscheidet auch außerhalb eines Regulierungs- oder Ablösungsverfahrens unter Ausschluss des Rechtsweges über Bestand und Umfang von Nutzungsrechten, über die Frage, welche Liegenschaften berechtigt und welche verpflichtet sind, sowie über Streitigkeiten hinsichtlich der Ausübung von Nutzungsrechten, insbesondere auch über Einwendungen gegen einen Nutzungsplan für belastete Grundstücke nach § 33, und über Beschwerden wegen Nichteinhaltung derselben. […]“

„Genehmigung von Parteienübereinkommen

§ 49. Alle über die Ausübung der Nutzungsrechte getroffenen Parteienübereinkommen bedürfen der behördlichen Genehmigung.“

„§ 53. Die während des Verfahrens erlassenen Bescheide und die schriftlich oder vor der Behörde mündlich zu Protokoll abgegebenen Erklärungen sind auch für die Rechtsnachfolger bindend.“

2. Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz:

Die entscheidungswesentlichen Bestimmungen des Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetzes (VwGVG), BGBl I Nr 133/2013 in den Fassungen BGBl I Nr 24/2017 (§ 29) und BGBl I Nr 138/2017 (§ 28), lauten samt Überschriften auszugsweise wie folgt:

„Erkenntnisse

§ 28. (1) Sofern die Beschwerde nicht zurückzuweisen oder das Verfahren einzustellen ist, hat das Verwaltungsgericht die Rechtssache durch Erkenntnis zu erledigen.

[…]

Verkündung und Ausfertigung der Erkenntnisse

§ 29. […]

(2) Hat eine Verhandlung in Anwesenheit von Parteien stattgefunden, so hat in der Regel das Verwaltungsgericht das Erkenntnis mit den wesentlichen Entscheidungsgründen sogleich zu verkünden.

[…]

(3) Die Verkündung des Erkenntnisses entfällt, wenn

[…]

2. das Erkenntnis nicht sogleich nach Schluss der mündlichen Verhandlung gefasst werden kann

und jedermann die Einsichtnahme in das Erkenntnis gewährleistet ist.

[…]“

VI.Erwägungen:

1. Zur Rechtzeitigkeit der Beschwerden:

Gemäß § 7 Abs 4 VwGVG beträgt die Frist zur Erhebung einer Beschwerde gegen den Bescheid einer Behörde vier Wochen.

Der angefochtene Bescheid wurde dem Beschwerdeführer AA als auch dem – zum damaligen Zeitpunkt noch nicht vertretenen – Beschwerdeführer DD jeweils am 29.08.2022 zugestellt. Die Beschwerde des AA ist am 13.09.2022 und damit innerhalb der vierwöchigen Beschwerdefrist bei der belangten Behörde eingebracht worden. Die Beschwerde des nunmehr rechtsfreundlich vertretenen DD wurde am 20.09.2022 und damit innerhalb der Beschwerdefrist beim Postamt aufgegeben. Beide Beschwerden wurden daher fristgerecht erhoben.

2. Zum Prüfungsumfang:

Gemäß § 27 VwGVG hat das Verwaltungsgericht den angefochtenen Bescheid aufgrund der Beschwerde (§ 9 Abs 1 Z 3 und 4 VwGVG) zu überprüfen.

Gemäß § 9 Abs 1 Z 3 und 4 VwGVG hat die Beschwerde die Gründe auf die sich die Behauptung der Rechtswidrigkeit stützt und das Begehren zu enthalten.

Der angefochtene Bescheid erfasst zugunsten verschiedener Liegenschaften einverleibte Weiderechte sowie Dienstbarkeiten des Holzbezuges, des Streubezuges und der Waldbodenbenützung in der EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, alle GB ***** Z. Die Beschwerdeführer sind Eigentümer der Liegenschaften EZ ***2 „FF“ (Beschwerdeführer: DD) sowie EZ ***1 „CC“ (Beschwerdeführer: AA).

Das Landesverwaltungsgericht Tirol hat daher den angefochtenen Bescheid insoweit zu prüfen, als dessen Verfügungen die Liegenschaft EZ ***2 sowie die Liegenschaft EZ ***1, beide GB ***** Z, betreffen.

3. In der Sache:

3. 1Allgemeines:

Mit den Spruchpunkten 1. bis 3. des angefochtenen Bescheides trifft die belangte Behörde auf der Grundlage des § 38 Abs 2 WWSG Feststellungen zu den in der EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, alle GB ***** Z, einverleibten Dienstbarkeiten der Weide, insbesondere auch für solche zugunsten der Liegenschaft EZ ***2 (Spruchpunkte 2. und 3). und der Liegenschaft EZ ***1 (Spruchpunkt 1.) eingetragenen Dienstbarkeiten. Mit Spruchpunkt 4. des angefochtenen Bescheides hat die belangte Behörde, gestützt auf § 38 Abs 2 WWSG die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, ua auch von den zugunsten der Liegenschaft EZ ***2 und der Liegenschaft EZ ***1 einverleibten Dienstbarkeiten des Holzbezuges, des Streubezuges und der Waldbodenbenützung entlastet. Mit den eben beschriebenen Dienstbarkeiten war das vormals auch die neugebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, umfassende Gst Nr **4, GB ***** Z, belastet. Die Verfügung des Spruchpunktes 4. des angefochtenen Bescheides ist daher als Neuregulierung zu qualifizieren.

3. 2Zur Liegenschaft EZ ***1 („CC“), GB ***** Z:

Die zugunsten der Liegenschaft EZ ***1 („CC“), GB ***** Z, einverleibte Dienstbarkeit der Weide besteht auf dem Weidegebiet „NN Weide“, welches westlich an den Weidebezirk „AAA“ angrenzt. Die neugebildeten Gste Nrn **1 in EZ ***11, Gst Nr **2 in EZ ***12 sowie Gst Nr **3 in EZ ***13, alle GB ***** Z, liegen innerhalb des Weidegebietes „AAA“. Die in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, alle GB ***** Z, jeweils unter C-LNR *** einverleibten Dienstbarkeiten der Weide zugunsten der EZ ***1 „CC“ beziehen sich folglich nicht auf die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z. Diese Grundstücke sind daher nicht mit Weiderechten zugunsten der Liegenschaft EZ ***1 „CC“ belastet.

Die Argumentation des Beschwerdeführers, aufgrund einer Unterdeckung der zugunsten der EZ ***1 „CC“ eingeräumten Weiderechte im Weidegebiet „NN Weide“ berechtige zur Ausübung der Weide auf Flächen des Weidegebietes „AAA-Weide“, ist nicht nachvollziehbar. Das Ausmaß von Einforstungsrechten und damit auch von Weiderechten richtet sich nach den jeweils einschlägigen Rechtsgrundlagen, insbesondere den Servitutenregulierungsurkunden. Solange keine Neuregulierung erfolgt ist, bleiben diese urkundlichen Fixierungen für das Ausmaß und den Umfang der Einforstungsrechte und damit auch für die Ausübung dieser Rechte maßgebend (Lang, Tiroler Agrarrecht II, Seite 57). Der Umfang der zugunsten der EZ ***1 „CC“ eingeräumten Weiderechte ergibt sich aus der Servitutenregulierungsurkunde Nr *** vom 21.03.1889, verfacht am 29.05.1889 folio *** Verfachbuch III. Teil. Für eine Ausdehnung der zugunsten der EZ ***1 „CC“ bestehenden Weiderechte auf Flächen des Weidegebietes „XX“ ist daher eine Neuregulierung erforderlich.

Die in Spruchpunkt 1. des angefochtenen Bescheides bezogen auf die zugunsten der Liegenschaft EZ ***1, GB ***** Z, eingeräumten Weiderechte getroffene Feststellung ist somit nicht rechtswidrig.

Zu der in Spruchpunkt 4. des angefochtenen Bescheides auch zugunsten der EZ ***1 „CC“ angeführten Dienstbarkeit des Holzbezuges, des Streubezuges und der Waldbodenbenützung ist auf Spruchpunkt II. des rechtskräftigen Bescheides der Bezirkshauptmannschaft W vom 07.02.2018, Zl ***, sowie das dazu ergangene Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Tirol vom 31.08.2018, Zl ***, zu verweisen. Dieser Bescheid wurde auch dem Beschwerdeführer AA zugestellt. Für die gesamte Fläche der neugebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, im Ausmaß von insgesamt 9.170 m² erging eine rechtskräftige dauernde Rodungsbewilligung. Die eben genannten, neugebildeten Grundstücke sind damit auch nicht mehr als Wald im Sinne des § 1a Forstgesetz 1975 zu qualifizieren. Durch die mit Spruchpunkt II. des Bescheides der Bezirkshauptmannschaft W vom 07.02.2018, Zl ***, erteilte unbefristete Bewilligung im Ausmaß von insgesamt 9.170 m² kam es auch nicht zu einer Schmälerung der im Servitutenneuregulierungsplan vom 14.11.2003, Zl ***, den Einforstungsberechtigten eingeräumten Holzbezugs-, Streubezugs- sowie Waldbodenbenützungsrechte. Ausdrücklich hat in diesem Zusammenhang das Landesverwaltungsgericht Tirol in seiner Entscheidung vom 31.08.2018, Zl ***, folgende Feststellungen getroffen:

„Die Einforstungsrechte gemäß dem Servitutenregulierungsplan vom 14.11.2003 bestehen auf einer Waldfläche von 3.390,6 ha. Der jährliche Hiebsatz beträgt 10.420 Festmeter, wovon ca 40 % zur Deckung aller bestehenden Einforstungsrechte und ca 60 % als freier Einschlag der KK AG dienen. Die beantragte Rodungsfläche beträgt ca 1 ha und stellt somit lediglich einen Verlust von ca 0,03 % der Servitutsfläche dar. Der bestehende freie Einschlag der KK AG ist somit jedenfalls ausreichend, um den Verlust durch die Rodungsfläche für die bestehenden Einforstungsrechte auszugleichen. Die verbleibende Waldfläche ist aus forstfachlicher Sicht auch ausreichend mit forstlichen Bringungsanlagen erschlossen, um die bestehenden Bezugsrechte zu decken. Eine Gefährdung der bestehenden Holz- und Streubezugsrechte aufgrund der beantragten Rodung ist somit auch unter Annahme ungünstiger Umstände auszuschließen.

Auch das Waldbodenbenützungsrecht […] zum Bezug von Bau- und Kalksteinen, Sand, Lehm und Schotter auf dem Gst Nr **4 wird nicht beeinträchtigt. Zum einen ist die beantragte Rodungsfläche nicht zur Gewinnung von Bau- und Kalksteinen, Sand, Lehm und Schotter geeignet, zum anderen bietet die verbleibende ca 3.389,6 ha große Servitutsfläche ausreichende Möglichkeiten, um das auf den Bedarf der berechtigten Liegenschaften eingeschränkte Recht zum Bezug von Bau- und Kalksteine, Sand, Lehm und Schotter zu decken. Das durchgeführte Ermittlungsverfahren hat jedoch auch ergeben, dass derartige Materialien auf der Servitutsfläche bereits seit Jahrzehnten nicht mehr gewonnen werden.“

Ergänzend ist zu berücksichtigen, dass dem Beschwerdeführer AA kein „Lageanspruch“ zukommt. Die eben angeführten sonstigen Einforstungsrechte bestehen nicht an einer genau definierten Fläche und damit auch nicht an der Fläche der neugebildeten Gste Nrn **1, **2, **3, alle GB ***** Z, auf die sich die dauernde Rodungsbewilligung des zitierten Bescheides der Bezirkshauptmannschaft W bezieht. Dies wurde vom Beschwerdeführer AA auch nicht behauptet.

3.3. Zur Liegenschaft EZ ***2 („FF“), GB ***** Z:

Zu Spruchpunkt 2. des angefochtenen Bescheides bringt der Beschwerdeführer DD im Hinblick auf die zugunsten der EZ ***2 „FF“ eingeräumten Weiderechte vor, die getroffene Feststellung sei rechtswidrig, da die Voraussetzungen des Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, nicht erfüllt seien. Insbesondere sei die diesem Bescheid zugrundeliegende Vereinbarung nicht erfüllt, er hätte seine Zustimmung zur Löschung der Weidebelastung auf den neu gebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, nur der Gemeinde Z erteilt, nicht aber der nunmehrigen Eigentümerin GG.

Dazu hält das Landesverwaltungsgericht Tirol Folgendes fest:

Die belangte Behörde hat mit Spruchpunkt I. des Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, die Freistellung – anhand eines Lageplanes – ausdrücklich gekennzeichneter Flächen von Weiderechten, unter anderem von Weiderechten zugunsten der Liegenschaft EZ ***2 „FF“, festgestellt. Nach dem eindeutigen Wortlaut bezieht sich diese Freistellung auf die Fläche „Parken und Wohnen“ auf Gst Nr **4, GB ***** Z, im Ausmaß von 9.755 m². Spruchpunkt I. des Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, wurde nicht unter der auflösenden Bedingung erteilt, dass die angeordnete Freistellung ihre Rechtswirksamkeit verliert, sofern nicht die Gemeinde Z selbst das Projekt „Parken und Wohnen“ umsetzt. Dem Beschwerdeführer ist Recht zu geben, dass ohne die Genehmigung des Parteienübereinkommens vom 14.07.2016 die Freistellung der Flächen der nunmehr neugebildeten Gste **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, nicht erfolgt wäre. Dieser Umstand ändert aber nichts daran, dass die mit Spruchpunkt I. des Bescheides der belangten Behörde vom 22.05.2017, Zl ***, angeordnete Freistellung in Rechtskraft erwachsen ist. Das Landesverwaltungsgericht Tirol ist an diese rechtskräftige Verfügung gebunden und insbesondere nicht berechtigt, im Rahmen des gegenständlichen Beschwerde-verfahrens durch eine Auslegung des Parteienübereinkommens vom 14.07.2016 im Sinne des Vorbringens des Beschwerdeführers DD die mit Spruchpunkt I. des BB-behördlichen Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, verfügte Freistellung als rechtsunwirksam zu qualifizieren. Der Eintritt der Rechtswirksamkeit der angeordneten Freistellung war auch nicht mit der Durchführung der gemäß Spruchpunkt II. des Bescheides vom 22.05.2017, Zl ***, bewilligten dauernden Rodung zur „Schaffung von Reinweideflächen im Rahmen der Servitutenneuregulierung ZZ-Heimweide“ verknüpft. Mangels rechtlicher Relevanz für das gegenständliche Verfahren aus den eben dargelegten Gründen wies das Landesverwaltungsgericht Tirol den Antrag des Beschwerdeführers DD auf Einholung eines Gutachtens zur Abklärung der Frage, ob auf der Grundlage der Rodungsbewilligung gemäß Spruchpunkt II. des Bescheides der belangten Behörde vom 22.05.2017, Zl ***, tatsächlich Reinweideflächen geschaffen worden seien, als unerheblich zurück.

Unabhängig davon wird mit der derzeit geltenden Flächenwidmung der Verwendung der neugebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z – die angeführten Grundstücke entsprechen der vormaligen Teilfläche des Gst Nr **4, GB ***** Z – zur „Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen zur Errichtung von Wohnplätzen und Parkmöglichkeiten für junge Familien und Senioren sowie für das Personal der ansässigen Tourismusbetriebe“ Rechnung getragen.

Entgegen den Darlegungen des Beschwerdeführers DD ist daher Spruchpunkt 2. des angefochtenen Bescheides, soweit die Liegenschaft EZ ***2 „FF“ betroffen ist, nicht rechtswidrig.

Die zugunsten der Liegenschaft EZ ***2 „FF“, GB ***** Z, in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, jeweils GB ***** Z, unter C-LNR *** einverleibte Dienstbarkeit der Weide besteht auf Flächen des Weidegebietes „ZZ-Weide“, welches östlich an das Weidegebiet „AAA“ angrenzt. Die neugebildeten Gste Nrn **1 in EZ ***11, Gst Nr **2 in EZ ***12 sowie Gst Nr **3 in EZ ***13, alle GB ***** Z, liegen innerhalb des Weidegebietes „AAA“. Die Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, sind daher durch die in EZ ***11, EZ ***12 und EZ ***13, alle GB ***** Z, jeweils unter C-LNR *** einverleibte Dienstbarkeit der Weide zugunsten der EZ ***2 „FF“ nicht belastet. Die in Spruchpunkt 3. des angefochtenen Bescheides bezogen auf Weiderechte zugunsten der Liegenschaft EZ ***2, GB ***** Z, getroffene Feststellung ist somit nicht rechtswidrig.

Zu der in Spruchpunkt 4. des angefochtenen Bescheides unter anderem zugunsten der EZ ***2 „FF“ angeführten Dienstbarkeit des Holzbezuges, des Streubezuges und der Waldbodenbenützung ist auf Spruchpunkt 2. des Bescheides der Bezirkshauptmannschaft W vom 07.02.2018, Zl ***, und die damit erteilte Rodungsbewilligung zu verweisen. Die dagegen unter Hinweis auf seine Einforstungsrechte erhobene Beschwerde des DD hat das Landesverwaltungsgericht Tirol mit Erkenntnis (Spruchpunkt II.) vom 31.08.2018, Zl ***, als unbegründet abgewiesen. Ausdrücklich führte das Landesverwaltungsgericht Tirol wie folgt aus:

„Die Einforstungsrechte gemäß dem Servitutenregulierungsplan vom 14.11.2003 bestehen auf einer Waldfläche von 3.390,6 ha. Der jährliche Hiebsatz beträgt 10.420 Festmeter, wovon ca 40 % zur Deckung aller bestehenden Einforstungsrechte und ca 60 % als freier Einschlag der KK AG dienen. Die beantragte Rodungsfläche beträgt ca 1 ha und stellt somit lediglich einen Verlust von ca 0,03 % der Servitutsfläche dar. Der bestehende freie Einschlag der KK AG ist somit jedenfalls ausreichend, um den Verlust durch die Rodungsfläche für die bestehenden Einforstungsrechte auszugleichen. Die verbleibende Waldfläche ist aus forstfachlicher Sicht auch ausreichend mit forstlichen Bringungsanlagen erschlossen, um die bestehenden Bezugsrechte zu decken. Eine Gefährdung der bestehenden Holz- und Streubezugsrechte aufgrund der beantragten Rodung ist somit auch unter Annahme ungünstiger Umstände auszuschließen.

Auch das Waldbodenbenützungsrecht […] zum Bezug von Bau- und Kalksteinen, Sand, Lehm und Schotter auf dem Gst Nr **4 wird nicht beeinträchtigt. Zum einen ist die beantragte Rodungsfläche nicht zur Gewinnung von Bau- und Kalksteinen, Sand, Lehm und Schotter geeignet, zum anderen bietet die verbleibende ca 3.389,6 ha große Servitutsfläche ausreichende Möglichkeiten, um das auf den Bedarf der berechtigten Liegenschaften eingeschränkte Recht zum Bezug von Bau- und Kalksteine, Sand, Lehm und Schotter zu decken. Das durchgeführte Ermittlungsverfahren hat jedoch auch ergeben, dass derartige Materialien auf der Servitutsfläche bereits seit Jahrzehnten nicht mehr gewonnen werden.“

Die, die neugebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, umfassende unbefristete Rodungsbewilligung im Ausmaß von 9.170 m² schmälert daher nicht die Einforstungsrechte des Beschwerdeführers DD gemäß dem Servitutenneu-regulierungsplan vom 14.11.2003, Zl ***. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass dem Beschwerdeführer kein „Lageanspruch“ zukommt. Sein Holzbezugs-, Streunutzungs- und Waldbodenbenützungsrecht besteht nicht an einer genau definierten Fläche, somit auch nicht an der die neugebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, umfassende Fläche, für die in der Zwischenzeit eine rechtskräftige unbefristete Rodungsbewilligung vorliegt und diese Fläche somit auch nicht mehr als Wald im Sinne des § 1a Forstgesetz 1975 zu qualifizieren ist.

Spruchpunkt 4. schmälert somit nicht die der Liegenschaft EZ ***2 „FF“ eingeräumten Einforstungsrechte und ist folglich auch nicht rechtswidrig.

4. Ergebnis:

4. 1Zum Erkenntnis:

Die in den Spruchpunkten 1., 2. und 3. des Bescheides vom 22.08.2022, Zl ***, getroffenen Feststellungen bedeuten keine unzulässige Einschränkung von den Liegenschaften EZ ***2 „FF“ (Beschwerdeführer DD) und EZ ***1 „CC“ (Beschwerdeführer AA) eingeräumten Weiderechten. Die Neuregulierung des Spruchpunkt 4. des angefochtenen Bescheides schmälert nicht die der Liegenschaft EZ ***2 „FF“ und der Liegenschaft EZ ***1 „CC“ im Servitutenregulierungsneuplan vom 14.11.2003, Zl ***, eingeräumten beschriebenen Holzbezugs-, Streunutzungs- und Waldbodenbenutzungsrechte.

Sofern Spruchpunkt 4. des Bescheides vom 22.08.2022, Zl ***, Bezug auf Einforstungsrechte der Ortschaften „U“, „T“ und „V“ nimmt, ist auf die zutreffenden rechtlichen Ausführungen der belangten Behörde zu verweisen. Da diese Ortschaften aufgrund deren Auflösung durch Einführung der deutschen Gemeindeordnung im Lande Österreich im Jahr 1938 in der Gemeinde Z aufgegangen sind, ist nunmehr ausschließlich die Gemeinde Z Rechtsträgerin der vormals den angeführten Ortschaften eingeräumten Einforstungsrechten.

Die Beschwerden gegen die Spruchpunkte 2. bis 4. des angefochtenen Bescheides, soweit davon die Einforstungsrechte der Liegenschaft EZ ***2 „FF“ und der Liegenschaft EZ ***1 „CC“ betroffen sind, waren daher als unbegründet abzuweisen. Dementsprechend lautet Spruchpunkt 1. des gegenständlichen Erkenntnisses.

4. 2Zur schriftlichen Ausfertigung des Erkenntnisses:

Gemäß § 29 Abs 2 VwGVG hat das Verwaltungsgericht bei einer Verhandlung in Anwesenheit der Parteien das Erkenntnis mit den wesentlichen Entscheidungsgründen „in der Regel“ sogleich zu verkünden. Indem die sofortige mündliche Verkündung nicht zwingend nach dem Schluss der Verhandlung zur erfolgen hat, lässt das Gesetz dem Verwaltungsgericht einen (weiten) Spielraum, zumal dazu korrespondierend in der Z 2 des § 29 Abs 3 VwGVG nur ganz allgemein normiert wird, dass die Verkündung des Erkenntnisses entfällt, wenn es nicht sogleich nach Schluss der mündlichen Verhandlung gefasst werden kann (vgl VwGH 30.04.2021, Ra 2021/21/0071).

Im Rahmen des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens wurden die beiden Beschwerdeführer, jeweils ein Vertreter der mitbeteiligten Parteien – GG, Republik Österreich (KK) und Gemeinde Z – sowie der Vertreter der belangten Behörde und der agrarfachliche/agrartechnische Amtssachverständige einvernommen. Deren Aussagen waren einer umfassenden Beweiswürdigung zu unterziehen. Bereits dieser Umstand rechtfertigt das Absehen von einer Verkündung. Darüber hinaus haben alle Verfahrensparteien auf die mündliche Verkündung der Entscheidung verzichtet

VII.Unzulässigkeit der ordentlichen Revision:

Zunächst war vom Landesverwaltungsgericht Tirol auf der Basis eines umfassenden Ermittlungsverfahrens der Sachverhalt festzustellen. Das Landesverwaltungsgericht Tirol hatte unter Berücksichtigung insbesondere des § 38 Abs 2 WWSG zu prüfen, ob die neugebildeten Gste Nrn **1, **2 und **3, alle GB ***** Z, von zugunsten der Liegenschaft EZ ***2 „FF“ und EZ ***1 „CC“ eingeräumten Weidedienstbarkeiten belastet sind und ob durch die Neuregulierung gemäß Spruchpunkt 4. des angefochtenen Bescheides die Holzbezugs-, Streunutzungs- und Waldbodenbenützungsrechte der Liegenschaft EZ ***2 „FF“ und der Liegenschaft EZ ***1 „CC“ unzulässig geschmälert werden. Diese Beurteilung nahm das Landesverwaltungsgericht Tirol aufgrund spezifischer, auf den konkreten Fall bezogener Umstände vor. Von Rechtsfragen von erheblicher Bedeutung ist folglich nicht auszugehen. Dementsprechend wird die ordentliche Revision in Spruchpunkt 2. des gegenständlichen Erkenntnisses nicht zugelassen.

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Gegen diese Entscheidung kann binnen sechs Wochen ab der Zustellung Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof oder außerordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof erhoben werden. Die Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof ist direkt bei diesem, die außerordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof ist beim Landesverwaltungsgericht Tirol einzubringen.

Die genannten Rechtsmittel sind von einem bevollmächtigten Rechtsanwalt bzw einer bevollmächtigten Rechtsanwältin abzufassen und einzubringen. Soweit gesetzlich nicht anderes bestimmt ist, ist eine Eingabegebühr von Euro 240,00 zu entrichten.

Es besteht die Möglichkeit, auf die Revision beim Verwaltungsgerichtshof und die Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof zu verzichten. Ein solcher Verzicht hat zur Folge, dass eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof und eine Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof nicht mehr erhoben werden können.

Landesverwaltungsgericht Tirol

Dr. Hirn

(Richter)

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