LG Linz 21Bl152/19f

21Bl152/19fÜbriges Gericht30.12.2019

Gesamter Gesetzestext

LG Linz 21Bl152/19f

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 30.12.2019
  • ECLI: ECLI:AT:LG00458:2019:0210BL00152.19F.1230.000

Kopf

BESCHLUSS

Das Landesgericht Linz als Vollzugsgericht hat durch den Vorsitzenden Dr. Klaus Bittmann und die weiteren Senatsmitglieder Mag. Alfred Pfeisinger und Oberstleutnant Andreas Hinterleitner über die Beschwerde des P***** G***** E*****, eingelangt am ***** gegen den abweisenden Bescheid auf Bewilligung des elektronischen Hausarrestes durch den Leiter der Justizanstalt ***** vom ***** gemäß §§ 156b ff, 120, 121 und 121a ff StVG in nicht öffentlicher Sitzung entschieden:

Spruch

Der Beschwerde wird nicht Folge gegeben.

Begründung

Begründung:

P***** G***** E***** stellte am ***** und mittels Ergänzungsantrag am ***** bei der Justizanstalt ***** einen (Frontdoor-) Antrag auf Bewilligung des elektronisch überwachten Hausarrestes (kurz eüH) zur Verbüßung der verhängten Freiheitsstrafe im Ausmaß von 2 Monaten aufgrund des Widerrufs der gewährten bedingten Entlassung, ***** des Landesgerichts ***** und zur Verbüßung der verhängten Freiheitsstrafe im Ausmaß von 5 Monaten im Verfahren zu ***** des Landesgerichts *****.

Mit Bescheid des Leiters der Justizanstalt ***** vom ***** wurde der Antrag wegen Nichtvorliegens aller Voraussetzungen des § 156c Abs. 1 StVG, mangels geeigneter Beschäftigung, abgewiesen.

Gegen diesen Bescheid richtet sich die fristgerechte, am 28.10.2019 in der Justizanstalt ***** eingelangte Beschwerde des P***** G***** E*****, in welcher er einen Dienstvertrag der Leasingfirma ***** vorlegte und vorbrachte, dass er sich seit dem 23.10.2019 in einem Arbeitsverhältnis befindet.

In der Berichterstattung vom ***** führte die Justizanstalt ***** aus, dass P***** G***** E***** am ***** telefonisch mitteilte, er habe seine Anstellung als Helfer in der Firma , ***** in , verloren. Es wurde sodann bis zum ***** eine Nachfrist gesetzt, um P G E***** die Möglichkeit zu geben, eine geeignete Anstellung zu finden und einen entsprechenden Nachweis darüber vorzulegen. Kurz vor Fristende wurde der zuständigen Sozialarbeiterin des Vereins NEUSTART eine Teilnahmebestätigung von P***** G***** E***** an der über das AMS laufenden Kursmaßnahme „“ beim ***** vorgelegt. Ein Nachweis über eine Ausbildungszusage könne hierbei allerdings nicht vorgelegt werden. Im Zuge des sodann am ***** geführten Parteiengehörs in der Justizanstalt ***** könne von P G***** E***** keine Einstellungszusage oder ein Dienstvertrag für die genannte Beschäftigung vorgelegt werden. Aufgrund des gescheiterten Versuches einen Dienstvertrag bzw. eine Einstellungszusage innerhalb der gewährten Frist von insgesamt 4 Wochen vorzulegen, war der Antrag letztendlich wegen fehlender Voraussetzungen (keine Arbeit, keine Tagesstruktur, keine Unfall- und Sozialversicherung) abzulehnen.

Auszugehen ist von folgendem entscheidungswesentlichen Sachverhalt:

Die mit Beschluss des Landesgerichts ***** vom , ***** gewährte bedingte Entlassung des P G***** E***** wurde mit Beschluss des Landesgerichts ***** vom , , widerrufen, weshalb die widerrufene bedingte Entlassung von restlich 2 Monaten zu vollziehen ist. P G E***** wurde auch mit Urteil des Landesgerichts , ***** vom ***** wegen §§ 107 Abs. 1, 125 StGB zu einer Freiheitsstrafe von 5 Monaten verurteilt. Der Vollzug der Freiheitsstrafen wurde am ***** () bzw. am ***** (*****) angeordnet, die Anordnung des Strafvollzuges wurde jedoch bis zur rechtskräftigen Entscheidung über den Antrag auf Vollzug der Freiheitsstrafe im elektronisch überwachten Hausarrest vorläufig gem. § 156d Abs 4 StVG gehemmt.

Im österreichischen Strafregister scheinen insgesamt 10 Verurteilungen auf, ihm wurde wiederholt eine bedingte Freiheitsstrafe gewährt, wobei die Probezeiten verlängert wurden.

Nach durchgeführten Nacherhebungen gem. §§ 29c iVm mit 15 BewHG (ON 16 im eüH-Akt) wurde seitens des Vereins NEUSTART am ***** berichtet, dass P***** G***** E***** beim persönlichen Gespräch am ***** angab, er könne über das AMS eine Kursmaßnahme besuchen, die mit einem Lehrabschluss als Elektriker enden würde. Vorgelegt wurde eine Eintrittsbuchung des AMS zur Kursmaßnahme. Die AMS-Maßnahme ist für die Dauer von 26.09.2019 bis 18.12.2019 vorerst befristet. Würde P***** G***** E***** im Anschluss eine Lehrstelle finden, wäre es möglich, eine verkürzte Lehrausbildung (18 Monate) zu absolvieren. Es gäbe jedoch keine Garantie, dass P***** G***** E***** einen Lehrplatz finde. Nachdem ein möglich elektronisch überwachter Hausarrest 7 Monate dauern würde, wurde die Beschäftigung aufgrund der 3-monatigen Befristung als nicht geeignet beurteilt. Zudem hatte P***** G***** E***** zwar zum Beschwerdezeitpunkt eine neue Beschäftigung bei der Leasingfirma , beginnend mit 23.10.2019, diese Beschäftigung endete aber am 28.10.2019, mit dem Tag, an dem die Beschwerde bei der Justizanstalt einlangte. Aus der Begründung des Bescheides des Leiters der Justizanstalt ***** vom ***** ist entnehmbar, dass zum Zeitpunkt der Entscheidung keine geeignete Beschäftigung bzw. Arbeitsstelle vorhanden gewesen ist. Zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung war P G***** E***** nur kurzzeitig (5 Tage) beschäftigt, weshalb ebenfalls keine geeignete Beschäftigung vorliegt.

Die diesbezüglichen Feststellungen resultieren aus den Erhebungen bzw. den Berichten des Vereins Neustart und der Justizanstalt ***** sowie der Beschwerde des P***** G***** E*****, aus denen sich keine entscheidungsrelevanten Widersprüche ergeben haben, weshalb auch weitere Erhebungen nicht geboten waren:

Gemäß § 156c Abs. 1 StVG ist der Vollzug einer zeitlichen Freiheitsstrafe in Form des elektronisch überwachten Hausarrests auf Antrag des Strafgefangenen zu bewilligen, wenn

1. ) die zu verbüßende Strafzeit 12 Monate nicht übersteigt oder nach sinngemäßer Anwendung des § 145 Abs. 2 StVG voraussichtlich nicht übersteigen wird

2. ) der Rechtsbrecher im Inland

a) über eine geeignete Unterkunft verfügt,

b) einer geeigneten Beschäftigung nachgeht,

c) ein Einkommen bezieht mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann,

d) Kranken- und Unfallversicherungsschutz genießt.

3. ) die schriftliche Einwilligung der mit ihm im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen vorliegt und

4. ) nach Prüfung der Wohnverhältnisse, des sozialen Umfelds und allfälliger Risikofaktoren sowie bei Einhaltung der Bedingungen (§ 156b Abs. 2 StVG) anzunehmen ist, dass der Rechtsbrecher diese Vollzugsformen nicht missbrauchen wird.

Diese gesetzlichen Voraussetzungen müssen kumulativ (und bereits zum Zeitpunkt der Antragstellung) erfüllt sein. Vielmehr liegen beim Beschwerdeführer schon die objektiven Voraussetzungen nach § 156c Abs. 1 Z 2 lit b, c und d StVG nicht vor. Auch wenn der Beschwerdeführer über eine geeignete Unterkunft verfügt und die erforderliche Einwilligung der im gemeinsamen Haushalt lebenden Person vorliegt (§ 156c Abs 1 Z 2 lit a und Z 3 StVG), so mangelt es letztlich jedoch am Bestand einer geeigneten Beschäftigung, die eine geordnete Tagesstruktur sicherstellt, am Einkommen, mit dem der Verurteilte den Lebensunterhalt bestreiten könnte (Abs 1 Z 1 lit c leg cit) und schließlich auch am Bestand eines Kranken- und Unfallversicherungsschutzes, zumal sowohl etwa Notstandhilfe, als auch nur in diesem Zusammenhang bestehender Versicherungsschutz im Strafvollzug – auch im Rahmen eines elektronisch überwachten Hausarrests – wegfallen und Alternativen dazu weder vorgebracht wurden, noch erkennbar sind.

Es ist daher der Entscheidung der Leitung der Justizanstalt ***** inhaltlich zu folgen und der Beschwerde ein Erfolg zu versagen.

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