OLG Wien 132Bs355/18b

132Bs355/18bOberlandesgericht23.01.2019

Gesamter Gesetzestext

OLG Wien 132Bs355/18b

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 23.01.2019
  • ECLI: ECLI:AT:OLG0009:2019:1320BS00355.18B.0123.000

Kopf

Das Oberlandesgericht Wien als Vollzugssenat nach § 16a StVG hat durch den Senatspräsidenten Dr. Dostal als Vorsitzenden sowie die Richterin Dr. Vetter und den fachkundigen Laienrichter Oberst Turner als weitere Senatsmitglieder in der Vollzugssache des G***** E***** über dessen Beschwerde gegen den Beschluss des Landesgerichts ***** als Vollzugsgericht vom *****, GZ *****, nach § 121b Abs 2 StVG in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Aus Anlass der Beschwerde wird der angefochtene Beschluss aufgehoben.

Begründung

Begründung:

Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Landesgericht ***** als Vollzugsgericht eine Beschwerde des Untergebrachten G***** E***** vom ***** wegen des Vorwurfs, seinem Besucher C***** K***** sei am ***** zu Unrecht der Zutritt zur Justizanstalt ***** verwehrt worden, als unzulässig zurück.

Zusammengefasst wurde die Beschwerde als unzulässig zurückgewiesen, da ein Besuch des C***** K***** nicht durch eine ablehnende Entscheidung der Leiterin der Justizanstalt ***** verwehrt worden sei und am ***** ein Besuch innerhalb der festgelegten Besuchszeiten wegen der Abwesenheit des G***** E***** nicht durchführbar gewesen sei.

Der Beschluss des Vollzugsgerichts wurde G***** E***** am 3. Juli 2018 ausgefolgt (vgl Rückschein ON 7). Am 15. Oktober 2018 langte eine mit 30. Juli 2018 datierte Beschwerde beim Landesgericht ***** ein, die einen Poststempel vom 12. Oktober (Jahr unlesbar) aufweist.

Gemäß des in § 33 Abs 3 AVG normierten „Postlaufprivilegs“, ist eine verfahrensrechtliche Frist gewahrt, wenn das fristgebundene Anbringen am letzten Tag der Frist – fallkonkret wäre dies der 14. August 2018 - einem zur Übernahme für ein Postamt befugten Postorgan übergeben wurde (zu solchen zählen nach den Verwaltungsgerichtshof bei Häftlingen auch die Anstaltsorgane eines Gefangenenhauses [VwGH 9. September 1993, 93/01/0151; Hengstschläger/Leeb, AVG § 33 Rz 3; OLG Wien 33 Bs 109/16w]).

Wann die von G***** E***** - der eine Übergabe an einen Justizwachebeamten am 30. Juli 2018 annimmt (vgl Eingabe des G***** E***** vom *****) als „Fristsache“ gekennzeichnete Beschwerde einem Justizwachebeamten übergeben wurde, ist angesichts der eingesehenen Auszüge aus dem Fristenbuch nicht aufzuklären (mehrere Eingaben an das Landesgericht ***** im relevanten Zeitraum, ua am ***** und am *****, zudem eine Eingabe an das „LG *****“ am *****). Zumal weitere Erhebungen bei der Justizanstalt ***** ohne Ergebnis blieben, war im Zweifel von der Rechtzeitigkeit der Beschwerde auszugehen.

Inhaltlich moniert G***** E***** (ON 7), dass an Freitagen die Besuchszeiten in der JA ***** laut Aushang von 8:00 bis 11:00 und 12:00 bis 15:00 Uhr waren. In seiner Beschwerde habe er keine Uhrzeit des Eintreffens von C***** K***** genannt, jedenfalls habe die Anstaltsleitung indirekt zugegeben, dass dieser seinen Besuch anzumelden versucht habe. Nach Rücksprache mit C***** K***** stehe fest, dass dieser etwa gegen 10:15/10:30 Uhr, also noch rechtzeitig zur Besuchszeit eingetroffen sei, er selbst sei von der Ausführung gegen 11:40 Uhr zurückgekehrt. Fairerweise hätte die Anstaltsleitung bzw der Eingangsdienst habende Erfüllungsgehilfe C***** K***** darauf hinweisen müssen, dass um 13.00 Uhr die nächste Besuchszeit beginne und er wiederkommen könne.

Nach § 16a Abs 1 Z 1 iVm Abs 2 StVG entscheidet das Oberlandesgericht Wien für das gesamte Bundesgebiet über Beschwerden gegen einen Beschluss des Vollzugsgerichts nach § 16 Abs 3 StVG wegen Rechtswidrigkeit, wobei Letztere nicht vorliegt, soweit das Vollzugsgericht Ermessen im Sinne des Gesetzes geübt hat.

Über Beschwerden gegen Strafvollzugsbedienstete oder deren Anordnungen hat der Anstaltsleiter zu entscheiden (§ 121 Abs 1 StVG). Nur wenn sich eine Beschwerde gegen eine Entscheidung, Anordnung oder ein Verhalten des Anstaltsleiters oder gegen die Verletzung der Entscheidungspflicht durch diesen richtet und dieser die Beschwerde nicht selbst abhilft, hat darüber das Vollzugsgericht zu entscheiden (§ 16 Abs 3 StVG).

Wie vom Vollzugsgericht selbst zutreffend erkannt, ist es für die Erledigung der Beschwerde des G***** E*****, die sich dagegen richtet, dass der diensthabende Justizwachebeamte am genannten Tag einen Besuch des C***** K***** verweigert habe, unzuständig, da sich die Beschwerde gegen eine Anordnung eines Strafvollzugsbediensteten richtet. Über Beschwerden gegen eine Anordnung eines Strafvollzugsbediensteten entscheidet – wie bereits ausgeführt – der Anstaltsleiter. Eine direkte Anrufung des Vollzugsgerichts ist in diesen Angelegenheiten nicht zulässig (Pieber in WK2 StVG § 121 Rz 1; OLG Wien 132 Bs 162/17v, 132 Bs 275/17m). Der Beschluss des Vollzugsgerichts war daher zur Gänze aufzuheben (Pieber in WK2 StVG § 121b Rz 4; OLG Wien 132 Bs 162/17v, 132 Bs 275/17m).

Das Vollzugsgericht wird die Beschwerde des G***** E***** (ON 1) der Anstaltsleiterin der Justizanstalt ***** zur Entscheidung zukommen lassen zu haben.

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