OGH 12Os43/16i

12Os43/16iObergericht16.06.2016

Regest

Strafrecht

Gesamter Gesetzestext

OGH 12Os43/16i

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 16.06.2016
  • ECLI: ECLI:AT:OGH0002:2016:0120OS00043.16I.0616.000

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 16. Juni 2016 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.Prof. Dr. Schroll als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte und die Hofrätinnen des Obersten Gerichtshofs Dr. T. Solé, Dr. Oshidari, Dr. Michel-Kwapinski und Dr. Brenner in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Janisch als Schriftführerin in der Strafsache gegen Martin Z***** wegen Verbrechen des schweren Raubes nach §§ 142 Abs 1, 143 zweiter Fall StGB (idF vor BGBl I 2015/112) und weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerde und über die Berufung des Angeklagten sowie über die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts Korneuburg als Schöffengericht vom 24. November 2015, GZ 604 Hv 21/15h55, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurückgewiesen.

Zur Entscheidung über die Berufungen werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.

Dem Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Begründung

Gründe:

Soweit vorliegend von Bedeutung, wurde Martin Z***** mit dem angefochtenen Urteil mehrerer Verbrechen des schweren Raubes nach §§ 142 Abs 1, 143 zweiter Fall StGB idF vor BGBl I 2015/112 (F./ bis I./) schuldig erkannt.

Danach hat er mit Gewalt und durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben (§ 89 StGB) anderen fremde bewegliche Sachen mit auf unrechtmäßige Bereicherung gerichtetem Vorsatz (zu F./ bis I./) unter Verwendung von Waffen weggenommen und abgenötigt, und zwar:

A./ bis E./ (...)

F./ am 14. Jänner 2014 in S***** Roman P***** und Barbara J***** 55.720 Euro durch Bedrohung mit einem Pfefferspray;

G./ am 16. Mai 2014 in Sch***** Sandra S***** 91.875 Euro durch Bedrohung mit einem Teleskopschlagstock;

H./ am 17. Dezember 2014 in Sch***** Sandra S***** und Werner R***** 11.740 Euro durch Bedrohung mit einem Schraubenzieher;

I./ am 6. August 2015 in S***** Barbara J***** und Astrid K***** 48.045 Euro durch Bedrohung mit einem Messer.

Die (undifferenziert) aus Z 5, 5a und 10 des § 281 Abs 1 StPO ergriffene Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten wendet sich ausschließlich gegen die Annahme des § 143 zweiter Fall StGB (idF vor BGBl I 2015/112). Sie schlägt fehl.

Die Beschwerde (der Sache nach Z 10) macht angesichts der (mit Bezug auf § 142 Abs 1 zweiter Fall StGB getroffenen) Konstatierungen, wonach der Angeklagte die jeweiligen Opfer anlässlich der Raubüberfälle (F./ bis I./) mit den dabei mitgeführten Gegenständen (Pfefferspray, Teleskopschlagstock, Schraubenzieher, Messer) bedrohte (US 10 bis 13), nicht deutlich, weshalb weitere Feststellungen dazu erforderlich gewesen wären, ob er diese Drohmittel tatsächlich (im Sinn des § 142 Abs 1 erster Fall StGB) hätte einsetzen wollen.

Mit Spekulationen über die geringere Gefährlichkeit eines Schlagstocks und eines Pfeffersprays in Relation zu einer Schusswaffe und Ausführungen dazu, dass der Schraubenzieher „nicht sehr groß war“, bezweifelt der Beschwerdeführer die Annahme der Waffenqualifikation des § 143 zweiter Fall StGB, ohne seine Rechtsbehauptung methodengerecht aus dem Gesetz abzuleiten (zum Waffenbegriff iSd § 143 StGB vgl im Übrigen Eder-Rieder in WK2 StGB § 143 Rz 16 ff; Kienapfel/Schmoller StudB BT II § 143 Rz 16).

Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bereits bei nichtöffentlicher Beratung sofort zurückzuweisen (§ 285d Abs 1 StPO). Daraus folgt die Zuständigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung über die Berufungen (§ 285i StPO).

Die Kostenentscheidung beruht auf § 390a Abs 1 StPO.

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