OGH 11Os147/09s

11Os147/09sObergericht13.10.2009

Gesamter Gesetzestext

OGH 11Os147/09s

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 13.10.2009

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 13. Oktober 2009 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Zehetner als Vorsitzenden sowie die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Kirchbacher, Dr. Schwab, Mag. Lendl und Dr. Bachner-Foregger als weitere Richter, in Gegenwart des Richteramtsanwärters Dr. Annerl als Schriftführer in der Strafsache gegen Anton B***** und Dieter B***** wegen des Verbrechens des schweren, gewerbsmäßig durch Einbruch begangenen Diebstahls nach §§ 127, 128 Abs 2, 129 Z 1, Z 3, 130 vierter Fall StGB und weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten sowie die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts Korneuburg als Schöffengericht vom 3. Juni 2009, GZ 603 Hv 4/09t-83, und die Beschwerde des Angeklagten Dieter B***** gegen einen Beschluss gemäß § 494a Abs 1 Z 4, Abs 4 StPO nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerden werden zurückgewiesen.

Zur Entscheidung über die Berufungen und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.

Den Angeklagten fallen die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Begründung

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil wurden Anton B***** und Dieter B***** des Verbrechens „des gewerbsmäßig schweren Diebstahls, teilweise durch Einbruch" nach §§ 127, 128 Abs 2, 129 Z 1, Z 3, 130 vierter Fall StGB (I.), des Vergehens des schweren Betrugs nach §§ 146, 147 Abs 1 Z 1 StGB (II.), des Vergehens der Entfremdung unbarer Zahlungsmittel nach § 241e Abs 1 StGB (III./A./) und des Vergehens (richtig: der Vergehen) der Entfremdung unbarer Zahlungsmittel nach § 241e Abs 3 StGB (III./B./) schuldig erkannt.

Danach haben sie - soweit für das Rechtsmittelverfahren von Belang - I.) mit dem Vorsatz, sich durch die Zueignung der Gegenstände unrechtmäßig zu bereichern, und in der Absicht, sich durch die Begehung von Einbruchsdiebstählen eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen, nachgenannten Personen fremde bewegliche Sachen weggenommen,

A.) indem sie sich gewaltsam durch Aufbrechen von Fenstern, Eingangs- und Fahrzeugtüren Zugang verschafften,

1. ) Anton B***** und Dieter B***** im bewussten und gewollten Zusammenwirken, wobei der Gesamtwert der gestohlenen Sachen ca 86.800 EUR beträgt, und zwar:

a) in der Nacht auf den 10. November 2008 in G***** Verfügungsberechtigten des Gemeindezentrums G***** 2.000 EUR Bargeld und Getränke in nicht mehr feststellbarem Wert sowie den Standtresor der Freiwilligen Feuerwehr G*****, in dem sich 1.000 EUR Bargeld und eine Bankomatkarte samt zugehörigem Code befanden;

b) in der Nacht auf den 11. November 2005 in G***** Verfügungsberechtigten des Unternehmens G***** ein Quad der Marke M-Polaris Predator 500E und ein Quad der Marke Adly Moto ATV-300/S/I im Gesamtwert von 14.000 EUR;

c) in der Nacht auf den 27. April 2006 in R***** Verfügungsberechtigten des L***** einen Laptop, Bargeld und Tankcode-Schlüssel im Gesamtwert von 2.000 EUR;

d) in der Nacht auf den 13. Juni 2006 in U***** Verfügungsberechtigten des Freibads 300 EUR Bargeld;

e) in der Nacht auf den 31. August 2006 in H***** Verfügungsberechtigten der D***** Verkehrsbetriebe eine Kellnerbrieftasche, eine Straßenkarte und Bargeld im Gesamtwert von 400 EUR;

f) in der Nacht auf den 22. November 2006 in Z***** Verfügungsberechtigten des L***** einen Tresor, Bargeld, Schlüssel und eine Tankkarte im Gesamtwert von 1.500 EUR;

g) in der Nacht auf den 22. Jänner 2007 in Z***** Verfügungsberechtigten der Hauptschule 2.000 EUR Bargeld;

h) in der Nacht auf den 20. November 2008 in O***** Verfügungsberechtigten der Sportkantine Bargeld, Zigaretten und eine Kellnerbrieftasche im Gesamtwert von 2.000 EUR;

i) am 27. August 2008 in I***** Christian P***** einen PKW VW Corrado G60 im Wert von 7.000 EUR;

j) in der Nacht auf den 27. August 2008 in I***** Verfügungsberechtigten des A***** Bargeld, einen Laptop, eine Handkasse, Zigaretten, Feuerzeuge und Telefonwertkarten im Gesamtwert von 7.000 EUR;

k) in der Nacht auf den 9. September 2008 in P***** Verfügungsberechtigten des Tennisclubs Bargeld, Nahrungsmittel und Getränke im Gesamtwert von 1.200 EUR;

l) in der Nacht auf den 24. September 2008 in L***** Dr. Monika M***** 800 EUR Bargeld;

m) in der Nacht auf den 7. Oktober 2008 in H***** Verfügungsberechtigten des Sportvereins H***** einen Laptop, Bargeld und Zigaretten im Gesamtwert von 1.000 EUR;

n) in der Nacht auf den 7. Oktober 2008 in E***** Verfügungsberechtigten des Unternehmens P***** 900 EUR Bargeld;

o) in der Nacht auf den 15. Oktober 2008 in E***** Georg E***** Messgeräte für Kfz-Betrieb, Reifen und Begutachtungsplaketten im Gesamtwert von 4.500 EUR;

p) in der Nacht auf den 21. Oktober 2008 in P***** Jürgen Mu***** Elektrogeräte für Kfz-Betrieb, Plakettenlocher, Begutachtungsplaketten und Bargeld im Gesamtwert von 22.000 EUR;

q) in der Nacht auf den 24. Oktober 2008 in G***** Alfred Z***** 400 EUR Bargeld;

r) in der Nacht auf den 24. Oktober 2008 in G***** Bajrush K***** einen PKW der Marke Mercedes CLK und einen PKW der Marke BMW 316 Coupé im Gesamtwert von 15.000 EUR, wobei sie hier überdies die Fahrzeuge mit widerrechtlich erlangten Schlüsseln in Betrieb nahmen;

s) am 7. November 2008 in H***** Verfügungsberechtigten der Tennishalle M***** einen Standtresor, Bargeld, ein „Handy" und Elektrogeräte im Gesamtwert von 1.300 EUR;

t) in der Nacht auf den 10. November 2008 in D***** Verfügungsberechtigten des Jugendheims Bargeld, eine Sackrodel, eine Kellnerbrieftasche und Red Bull im Gesamtwert von 500 EUR;

2. ) Dieter B*****

a) in der Nacht auf den 18. Juni 2008 in O***** Verfügungsberechtigten der Sportplatzkantine Gegenstände in nicht mehr feststellbarem Wert;

b) in der Nacht auf den 10. September 2008 in W***** Verfügungsberechtigten der Sportplatzkantine 300 EUR Bargeld;

c) zwischen 16. und 18. November 2008 in M***** Verfügungsberechtigten des Jugendheims Bargeld, eine Kellnerbrieftasche, einen Computer und einen Flachbildschirm im Gesamtwert von 800 EUR;

d) in der Nacht auf den 4. August 2008 in A***** Verfügungsberechtigten der Sportkantine Bargeld, Zigaretten und eine Sporttasche mit Fußballschuhen im Gesamtwert von 200 EUR;

B.) am 10. November 2008 in H***** der Freiwilligen Feuerwehr G*****, indem einer der beiden nach Verabredung mit dem anderen mit der bei Faktum I./A./1./a) entfremdeten Bankomatkarte bei der R***** Z***** 400 EUR Bargeld behob.

Dagegen richten sich die Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten aus § 281 Abs 1 Z 5 StPO.

Eine Urteilsausfertigung wurde dem Verteidiger des Zweitangeklagten am 23. Juni 2009 zugestellt (ON 1 S 30), die Nichtigkeitsbeschwerde allerdings erst am 24. Juli 2009 ausgeführt (ON 81). Sie war daher als verspätet (§ 285 Abs 1 StPO) bereits bei nichtöffentlicher Beratung sofort zurückzuweisen (§ 285d Abs 1 StPO). Über die Berufung dieses Angeklagten und die dadurch implizierte Beschwerde gegen den ihn betreffenden Widerrufsbeschluss (§ 498 Abs 3 Satz 3 StPO) wird somit das Oberlandesgericht zu entscheiden haben (§§ 285i, 498 Abs 3 Satz 4 StPO).

Die (inhaltlich weitgehend mit der des Zweitangeklagten idente) Mängelrüge (Z 5) des Erstangeklagten versagt: Sie vermag nämlich keinerlei Verstöße gegen Logik und Empirie in der tatrichterlichen Beweiswürdigung aufzuzeigen (Ratz, WK-StPO § 281 Rz 444). Zu Schuldspruch I./A./1./b) stützte sich das Erstgericht (US 14) auf das Auffinden eines Kuverts mit der Aufschrift „Firma G*****, G*****" in der von den Angeklagten unter anderem als Beutedepot verwendeten Lagerhalle (siehe S 23/II) und schloss daraus auf den inkriminierten Diebstahl der zwei Quads (und nicht auch des materiell wertlosen Kuverts) zum Nachteil des genannten Unternehmens (US 3, 10). Auch wenn die beiden Fahrzeuge selbst nicht aufgefunden werden konnten, erweist sich - im Zusammenhang mit den allgemeinen Ausführungen US 11 ff - die Annahme der (Mit)Täterschaft des Erstangeklagten als keineswegs willkürlich und somit nichtig.

Eben diese allgemeine Darstellung des deliktischen Zusammenwirkens der beiden angeklagten Brüder (US 11 ff) lässt der Beschwerdeführer bei der Kritik an der Ableitung (auch) seiner Täterschaft zu den Fakten I./A./1./n) (US 18) und I./A./1./t) (US 20) außer Acht (Ratz, WK-StPO § 281 Rz 394), bei denen die Erstrichter ebenso aufgrund einer aufgefundenen Bankgeldtasche (Schuldspruch I./A./1./n) und von sichergestellten Teilen der Beute (I./A./1./t) zur Verurteilung gelangten (zum Indizienbeweis Ratz, WK-StPO § 281 Rz 452). Hinsichtlich der im Rechtsmittelverfahren vermissten „Vernehmung", „Befragung" und „Konfrontation" des sämtliche Anklagevorwürfe rundweg abstreitenden (ON 75 S 3, 21 ff; ON 81 S 2) Nichtigkeitswerbers zu den angefochtenen Fakten im Hauptverfahren wäre es dem Verteidiger frei gestanden, eine solche durch entsprechende Prozesshandlungen zu erwirken.

Die Nichtigkeitsbeschwerde des Erstangeklagten - der im Übrigen trotz Antrags auf Totalaufhebung keinerlei Vorbringen zu den nicht bereits erwähnten Schuldspruchpunkten erstattete (§§ 285 Abs 1, 285a Z 2 StPO) - war daher bereits bei nichtöffentlicher Beratung sofort zurückzuweisen (§ 285d Abs 1 StPO), woraus die Zuständigkeit des Oberlandesgerichts zur Erledigung auch seiner Berufung und seiner Beschwerde - sowie der beide Angeklagte betreffenden Berufung der Staatsanwaltschaft - folgt (§ 285i StPO).

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