OGH 14Os91/06y

14Os91/06yObergericht10.10.2006

Gesamter Gesetzestext

OGH 14Os91/06y

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 10.10.2006

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 10. Oktober 2006 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Holzweber als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Philipp, Hon. Prof. Dr. Schroll, Hon. Prof. Dr. Kirchbacher und Mag. Hetlinger als weitere Richter, in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Roland als Schriftführerin, in der Strafsache gegen Kadi B***** und einen anderen Angeklagten wegen des Verbrechens nach § 28 Abs 2 vierter Fall, Abs 3 erster Fall SMG und weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Kadi B***** und Abdenour A***** gegen das Urteil des Landesgerichtes Linz als Schöffengericht vom 8. Mai 2006, GZ 44 Hv 16/06i-101, sowie über die (implizierte) Beschwerde des Angeklagten Kadi B***** gegen den unter einem gemäß § 494a StPO gefassten Beschluss nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerden werden zurückgewiesen.

Zur Entscheidung über die Berufungen und die Beschwerde werden die Akten dem Oberlandesgericht Linz zugeleitet.

Den Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Begründung

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil wurden Kadi B***** des Verbrechens nach § 28 Abs 2 vierter Fall, Abs 3 erster Fall SMG und in Ansehung der Restmenge der Vergehen nach § 27 Abs 1 sechster Fall und Abs 2 Z 2 erster Fall SMG (I A), zahlreicher Vergehen nach § 27 Abs 1 erster und zweiter Fall SMG (I B), des Verbrechens der Verleumdung nach § 297 Abs 1 zweiter Fall StGB (II) und der Vergehen des Diebstahls nach § 127 StGB (III) und der Nötigung nach § 105 Abs 1 StGB (IV) sowie Abdenour A***** zahlreicher Vergehen nach § 27 Abs 1 sechster Fall und Abs 2 Z 1 erster Fall SMG (I A) schuldig erkannt. Demnach haben Kadi B***** und Abdenour A***** in Linz

I) den bestehenden Vorschriften zuwider Suchtgift

A) gewerbsmäßig in Verkehr gesetzt, wobei Kadi B***** die Tat in Bezug auf eine mehr als einfache große Menge (§ 28 Abs 6 SMG) beging und zwar:

  1. Kadi B*****, indem er zumindest 985 Gramm Cannabisharz zu einem Grammpreis von 10 Euro, sohin gewinnbringend, an nachstehende Personen verkaufte, nämlich

a) im Zeitraum Ende Juli/Anfang August 2005 bis Ende Dezember 2005 an Orhan J***** ca 900 Gramm in regelmäßigen (beinahe täglichen) Teilverkäufen in Teilmengen zwischen 5 und 10 Gramm;

b) im Zeitraum Oktober 2005 bis Ende Dezember 2005 an Daniel P***** ca 35 Gramm in regelmäßigen Teilverkäufen in Teilmengen zwischen 2 und 5 Gramm;

c) im Zeitraum Anfang August 2005 bis November 2005 an Harald E***** ca 50 Gramm in regelmäßigen (zwei Mal wöchentlich) Teilverkäufen in Teilmengen zwischen 2 und 3 Gramm;

  1. Kadi B***** und Abdenour A***** in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken als Mittäter, indem sie im Zeitraum Mitte Dezember 2005 bis um den 10. Jänner 2006 an Nadjib S***** in drei Angriffen insgesamt ca 300 Gramm Cannabisharz (in Teilmengen zu je ca 100 Gramm) mit dem Auftrag übergaben, dass er ihnen in der Folge das Cannabisharz ins Lokal „C*****" bringt, was S***** in drei Fällen (durch Übergabe von insgesamt ca 195 Gramm) bewerkstelligte, wofür er je 20 Euro als Entlohnung erhielt;

  2. Kadi B***** und Abdenour A***** in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken als Mittäter teils im Zusammenwirken mit der abgesondert verfolgten Birgit H*****, indem sie im Zeitraum von zumindest Oktober 2005 bis 11. Jänner 2006 insgesamt unbekannte Mengen, zumindest aber 300 Gramm Cannabisharz (beinhaltend die von S***** im Lokal „C*****" an sie übergebenen ca 195 Gramm) gewinnbringend an zahlreiche namentlich unbekannte Abnehmer (darunter auch Bernd G*****) zu einem Grammpreis von 10 Euro verkauften;

B) Kadi B***** erworben und besessen, und zwar

  1. im Zeitraum von Ende Juli 2005 bis 12. Jänner 2006 unbekannte Mengen Cannabis und Kokain;

  2. am 12. Jänner 2006 23,7 Gramm Cannabisharz sowie eine geringe Menge Kokain, das er im Lokal „C*****" in einem Mauerdurchbruch unmittelbar neben der Toilette gebunkert hatte, bis zur Sicherstellung durch Beamte des SPK Linz besessen;

II) Kadi B***** am 13. Jänner 2006 Harald E***** dadurch der Gefahr einer behördlichen Verfolgung ausgesetzt, dass er im Zuge seiner niederschriftlichen Befragung gegenüber Beamten des SPK Linz angab:

„Hari (gemeint Harald E*****) machte im 'C*****' Geschäfte mit Haschisch. Über die Bezugsquellen kann ich leider keine Angaben machen. Jedenfalls hat er das Suchtgift stets bei sich, bevorzugt in der Kleidung oder Zigarettenpackung verwahrt und verkaufte es an interessierte Abnehmer zum Preis von 10 Euro pro Gramm. Bei Hari (gemeint Harald E*****) muss man sofort bezahlen. Er verkauft auf diese Weise seit einem Zeitraum von ca 1 ½ Monaten Haschisch. Ich selbst habe die zahlreichen Übergaben (Ware gegen Geld) beobachtet.", ihn mithin einer von Amts wegen zu verfolgenden, mit einem Jahr übersteigender Freiheitsstrafe bedrohten Handlung, nämlich des Vergehens nach § 27 Abs 1 sechster Fall, Abs 2 Z 2 erster Fall SMG falsch verdächtigt, wobei er wusste, dass die Verdächtigung falsch ist;

III) Kadi B***** um Weihnachten 2005 Daniel H***** eine fremde bewegliche Sache, nämlich 2 Gramm Cannabisharz im Wert von 20 Euro, mit dem Vorsatz weggenommen, sich durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern;

IV) Kadi B***** um Weihnachten 2005 Daniel H*****, den er verdächtigte, ihm Suchtgift aus seinem Bunker im Lokal „C*****" gestohlen zu haben, mit Gewalt zu einer Duldung genötigt, indem er H***** im Anschluss an die zu III) geschilderte Tathandlung mit Körperkraft gegen die Lokalwand drückte und sodann gegen dessen Willen nach (weiterem) Suchtgift durchsuchte.

Die dagegen von den Angeklagten gemeinsam ausgeführten, allein auf den Grund der Z 5a des § 281 Abs 1 StPO gestützten Nichtigkeitsbeschwerden gehen fehl.

Nach Prüfung des Beschwerdevorbringens anhand der Akten ergeben sich für den Obersten Gerichtshof nämlich keine erheblichen Bedenken gegen die Richtigkeit der dem Ausspruch über die Schuld zugrunde gelegten entscheidenden Tatsachen.

Mit sämtlichen in den Tatsachenrügen aufgeworfenen Fragen haben sich die Tatrichter im Rahmen einer sorgfältigen Beweiswürdigung logisch und empirisch einwandfrei auseinander gesetzt (US 10 bis 20). Ihre Konstatierungen zur Rolle des Angeklagten A***** gründeten sie insbesondere auf die Aussagen der Zeugin S*****, M***** und E***** und erklärten, dass anderen Zeugen (im Rechtsmittel angesprochen P*****, J*****, H***** und G*****) dessen Aktivitäten deshalb nicht auffielen, weil B***** als der Macher bzw Chef des Drogenhandels eingestuft wurde (US 16). Dass A***** zahlreiche Nachmittage zum Besuch des Drogenumschlagslokals zur Verfügung standen, stützten die Erstrichter auf die Arbeitszeittabelle seines damaligen Arbeitgebers (ON 43; US 16).

Warum einschlägig vorbelastete Personen aus dem Drogenmilieu ein Interesse haben sollten, gerade den Zweitangeklagten zu Unrecht zu belasten, legen die Beschwerden nicht substantiiert dar. Mit Widersprüchen in der Aussage des Zeugen S***** haben sich die Tatrichter gleichfalls auseinandergesetzt und letztlich ein zur dessen Verurteilung zugrunde liegenden Menge korrespondierendes Suchtgiftquantum zugrunde gelegt (wieder US 16).

Insoweit die Beschwerden eine Aufhebung des gesamten Urteils anstreben (S 81/III), mangelt es ihnen an der deutlichen und bestimmten Bezeichnung von Nichtigkeitsgründen (§ 285a Z 2 StPO). Die Nichtigkeitsbeschwerden waren daher schon bei der nichtöffentlichen Beratung sofort zurückzuweisen (§ 285d Abs 1 StPO), woraus die Kompetenz des Gerichtshofs zweiter Instanz zur Entscheidung über die Berufungen und die Beschwerde folgt (§§ 285i, 498 Abs 3 StPO).

Die Kostenentscheidung ist in § 390a Abs 1 StPO begründet.

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