100 15 223 200 15 181 Gemeinde: E.________ ZPV-Nr.: ________ Eröffnung: 22.9.2016 RNA/JRO/aae STEUERREKURSKOMMISSION DES KANTONS BERN Sitzung vom 20. September 2016 Es wirken mit: Vizepräsidentin Nanzer, Fachrichter Junod und Studer sowie Röthlisberger und Gribi als Gerichtsschreiber In der Rekurs- und Beschwerdesache von A.________ gegen Steuerverwaltung des Kantons Bern, Brünnenstrasse 66, Postfach 8334, 3001 Bern betreffend die kantonalen Steuern und die direkte Bundessteuer pro 2011
3 - erhoben und beantragt darin sinngemäss, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihm die Drittbetreuungskosten von nun insgesamt CHF 10'140.-- zu gewähren. Zur Begründung führt er aus, er akzeptiere zwar die heutige Gesetzgebung bezüglich des (hälftigen) Kinderabzugs, bit- tet jedoch um Steuergerechtigkeit, indem ihm wenigstens die geleisteten Drittbetreuungskosten vollständig gewährt werden (im Gegenzug erhalte seine Ex-Ehegattin den ganzen Kinderab- zug). C.Die Steuerverwaltung beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 14. Juli 2015 die Abwei- sung von Rekurs und Beschwerde unter Kostenfolge. Für den Fall, dass der Rekurrent im vor- liegenden Verfahren den Nachweis erbringen könne, die Drittbetreuungskosten im Steuer- jahr 2011 voll oder mehr als im bereits gewährten Umfang selber getragen zu haben, stellt die Steuerverwaltung den Eventualantrag, den Rekurs und die Beschwerde im entsprechenden Umfang (teilweise) gutzuheissen. Sie führt im Wesentlichen aus, gemäss Trennungsvereinba- rung sei davon auszugehen, der Rekurrent habe überhaupt nicht für die Kinderdrittbetreuung aufkommen müssen. In seiner Steuererklärung pro 2011 habe der Rekurrent jedoch Kinder- drittbetreuungskosten von je CHF 1'140.-- (Spielgruppe) und je CHF 9'000.-- (Kita) geltend ge- macht. In der Steuererklärung pro 2011 der Ex-Ehegattin seien bloss Kinderdrittbetreuungskos- ten von CHF 2'232.-- aufgeführt worden. Der Rekurrent habe in seinem Einspracheschreiben erklärt, er trage die Kinderdrittbetreuungskosten vollumfänglich selber. In den Akten habe ein Beleg der Kita über insgesamt CHF 9'000.-- vorgelegen. Deshalb sei die Steuerverwaltung zu Gunsten des Rekurrenten davon ausgegangen, er habe die Differenz zwischen dem von seiner Ex-Ehegattin (CHF 2'232.--) und den in Rechnung gestellten Kosten (CHF 9'000.--) von CHF 6'768.-- bezahlt und demzufolge zum Abzug zugelassen. Dies obwohl keine Belege vorge- legen hätten und sie dies vom Rekurrenten nicht eingefordert habe. D.Der Rekurrent hat Gelegenheit erhalten, dazu Stellung zu nehmen, wovon er keinen Ge- brauch gemacht hat. E.Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen. F.Mit Schreiben vom 12. April 2016 hat die Vizepräsidentin der Steuerrekurskommission dem Rekurrenten angekündigt, dass die Veranlagung pro 2011 voraussichtlich zu seinem Nachteil abgeändert werden müsse und ihm Gelegenheit gegeben, sich zur möglichen reforma- tio in peius zu äussern. Davon hat der Rekurrent mit Eingabe vom 3. Mai 2016 Gebrauch ge- macht. Auf den Inhalt der Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfol- genden Erwägungen näher eingegangen.
4 - Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung: 1.Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermö- gensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw. Beschwerde an- gefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11] und Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist deshalb sachlich und ört- lich zuständig. Der Rekurrent ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht durch- gedrungen. Er ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art. 195 Abs. 2 StG und Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten. Die vorliegende Streitsache wird von der Steuerrekurskommission in Dreierbesetzung beurteilt (Art. 70 Abs. 3 und Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]). 2.Zu prüfen ist, ob die Auslagen des Rekurrenten für die Kinderbetreuung durch Drittperso- nen zum Abzug zuzulassen sind. 3.Gemäss Art. 33 Abs. 1 DBG bzw. Art. 38 Abs. 1 StG werden von den gesamten steuerba- ren Einkünften unter anderem die allgemeinen Abzüge abgezogen. Das DBG lässt neben den Gewinnungskosten, die durch die Einkommenserzielung bedingt sind und deren Berücksichti- gung sich deshalb folgerichtig aus dem Grundsatz der Gesamtreineinkommensbesteuerung ergibt, weitere Abzüge zu, die mit der Einkommenserzielung nicht in einem direkten Zusam- menhang stehen. Sie betreffen i.d.R. Lebenshaltungskosten, die grundsätzlich nicht zum Abzug zugelassen sind (Art. 34 Bst. a DBG bzw. Art. 39 Bst. a StG). Mit den allgemeinen Abzügen wird immer tatsächlichen Aufwendungen, die der Steuerpflichtige erbracht hat, Rechnung ge- tragen. Darin unterscheiden sie sich in ihrer Ausgestaltung von den Sozialabzügen, die nicht unmittelbar tatsächlich getätigte Ausgaben voraussetzen, sondern das Vorliegen bestimmter persönlicher Verhältnisse, auf Grund derer eine unwiderlegbare gesetzliche Vermutung gege- ben ist, dass ein gewisses Mass an Aufwendungen angefallen ist (Zigerlig/Jud in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 2. Aufl., 2008, N. 1 und N. 3 zu Art. 33 DBG). Während bei den Gewinnungskosten das Periodizitätsprinzip massgebend ist und bei den Sozialabzügen das Stichtagsprinzip gilt (vgl. Art. 67 Abs. 3 StG; Art. 213 Abs. 2 DBG in der im Jahr 2011 geltenden Fassung vom
6 - die Arbeitswelt sind einer Erwerbstätigkeit gleichzusetzen (vgl. Ziff. 8.3 des Kreisschreibens Nr. 30 der Eidgenössischen Steuerverwaltung [ESTV] vom 21. Dezember 2010 "Ehepaar- und Familienbesteuerung nach dem DBG" [nachfolgend KS Nr. 30], einsehbar unter http://www.estv.admin.ch, Dokumentation "Direkte Bundessteuer / Kreisschreiben / 1-030-D- 2010-d"). Bei Ehepaaren, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, können die Kinderdrittbetreuungskosten geltend gemacht werden, wenn beide gleichzeitig einer Erwerbs- tätigkeit nachgehen bzw. in Ausbildung stehen oder erwerbsunfähig und zugleich betreuungs- unfähig sind. Die nachgewiesenen Kosten für die Kinderdrittbetreuung werden bis zum Maxi- malbetrag von der gemeinsamen Bemessungsgrundlage abgezogen (vgl. Ziff. 8.4.2 des KS Nr. 30). Bei getrennten, geschiedenen oder unverheirateten Eltern kann grundsätzlich derjenige Elternteil, welcher mit dem Kind zusammenlebt und einer Erwerbstätigkeit nachgeht, erwerbs- unfähig und gleichzeitig betreuungsunfähig ist oder sich in Ausbildung befindet, die Kinderdritt- betreuungskosten in Abzug bringen. Dies ist in der Regel der Elternteil, der die elterliche Sorge (allein oder gemeinsam) innehält und die Unterhaltszahlungen für das Kind gemäss Art. 23 Bst. f DBG (bzw. Art. 28 Bst. f StG) erhält. Befindet sich das Kind in alternierender Obhut, kann jeder Elternteil maximal CHF 5'000.-- (Bund) bzw. CHF 1'550.-- (Kanton) der nachgewiesenen Kosten für die Kinderdrittbetreuung in Abzug bringen. Es besteht hier jedoch die Möglichkeit, dass die Eltern eine andere Aufteilung beantragen. Diesfalls haben sich die beiden Elternteile zu einigen und eine andere Aufteilung zu begründen und nachzuweisen. Jeder Elternteil kann nur jene Kosten geltend machen, die während der Dauer seiner Obhutspflicht für die Drittbetreuung ent- standen sind. Betragen die geltend gemachten Kosten beider Elternteile zusammen mehr als den Maximalbetrag von CHF 10'000.-- (Bund) bzw. CHF 3'100.-- (Kanton), werden die Abzüge im Verhältnis der nachgewiesenen Kosten auf diesen Maximalbetrag gekürzt (vgl. Ziff. 8.4.4 i.V.m. Ziff. 8.4.3 des KS Nr. 30; vgl. auch das Merkblatt 12 [MB 12] der Steuerverwaltung des Kantons Bern über die Besteuerung von Familien, einsehbar unter http://www.fin.be.ch, Ru- briken "Steuern / Ratgeber / Publikationen / Merkblätter / Einkommens- und Vermögenssteuern / Steuerjahr 2011 / MB 12", S. 2 und S. 4). 4.Vorliegend geht aus der gerichtlich genehmigten Trennungsvereinbarung vom 12. Sep- tember 2011 hervor, dass sich der Rekurrent per 1. Juni 2011 von seiner (Ex-)Ehegattin trennte und Letztere am selben Datum die eheliche Wohnung verliess und in eine eigene Wohnung zog (vgl. Ziff. 1 der Trennungsvereinbarung; Steuerdossier, pag. 55). Ferner geht daraus hervor, dass die gemeinsamen Kinder, die Zwillinge C.________ und D.________ (geboren 2007) un- ter die gemeinsame Obhut der Eltern gestellt wurden, wobei sie von Sonntag- bis Donnerstag- abend bei der Mutter und von Donnerstag- bis Sonntagabend beim Vater bzw. Rekurrenten wohnten bzw. betreut wurden. Die Kita besuchten die Kinder am Dienstag (vgl. Ziff. 2 der Tren- nungsvereinbarung; Steuerdossier, pag. 55). Des Weiteren verpflichtete sich der Rekurrent, ab
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8 - los (vgl. Lohnausweis 2011 der I.________ vom 14.2.2012; Steuerdossier, pag. 57; Formular 2 der Steuererklärung 2011; Steuerdossier, pag. 69) und seine Ex-Ehegattin im Jahr 2011 zu 40 Prozent erwerbstätig (vgl. Formulare 2 und 6 der Steuererklärung der Ex-Ehegattin pro 2011). Im ersten Halbjahr 2011 in der Zeit bis zum 13. April 2011 waren die Voraussetzun- gen des Kinderdrittbetreuungsabzugs kumulativ erfüllt, da Mehrkosten (ein Tag pro Woche bzw. 20 Prozent in der Kita) für die (rund) 4-jährigen Kinder entstanden und diese im gleichen Haus- halt wie die Eltern lebten. Auch entstanden Kosten für die Drittbetreuung (20 Prozent), weil der Rekurrent und seine Ex-Ehegattin zusammen mehr als 100 Prozent, nämlich 140 Prozent er- werbstätig waren, womit ein direkter kausaler Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit bestand. Für die arbeitslose Zeit danach (ab 14.4.2011) bis zur Trennung bzw. bis zum Zeitpunkt (1.7.2011), ab welcher seine Ex-Ehegattin die Rechnungen der Kita gemäss Trennungsverein- barung hätte übernehmen müssen, fehlte dagegen ein direkter kausaler Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit. Da es sich bei den Kinderdrittbetreuungskosten um eine steuermindernde Tatsache handelt, für welche die steuerpflichtige Person beweispflichtig ist, wurde beim Rekur- renten nachgefragt, weshalb er auf Grund seiner Arbeitslosigkeit ab dem 14. April 2011 die (Eigen-)Betreuung der beiden Kinder nicht wahrnehmen konnte (vgl. Schreiben der Steuerre- kurskommission vom 22.4.2016). Gleichzeitig ist der Rekurrent aufgefordert worden, die ent- sprechenden Belege (wie bspw. Taggeldabrechnungen, Bestätigung des RAV über Taggeldbe- züge 2011 bzw. Bestätigungen/Belege bezüglich allfälligen Beschäftigungs- oder Wiederein- gliederungskursen, Nachweise hinsichtlich Jobsuche/Vorstellungsgespräche etc.) mit einzurei- chen. Mit Schreiben vom 3. Mai 2016 hat der Rekurrent geantwortet, er sei in dieser Zeit öfters krankgeschrieben gewesen (27.3.2011 bis 10.4.2011 und 9.1.2012 bis 4.3.2012) und habe ne- ben seinen stetigen Arbeitsbemühungen und Vorstellungsgespräche beim (zuständigen) Regi- onalen Arbeitsvermittlungszentrum einen Kurs zur allfälligen Selbstständigkeit und Geschäfts- führung besucht (29.8.2011 bis 23.9.2011). Die mit einem Datum versehenen Begründungen betreffen jedoch nicht den im ersten Halbjahr 2011 interessierenden Zeitraum (14.4.2011 bis 30.6.2011), womit nicht ersichtlich ist, weshalb der Rekurrent die Eigenbetreuung der Kinder nicht hat wahrnehmen können und er für diesen Zeitraum den Kinderdrittbetreuungskostenab- zug beanspruchen kann. Der Rekurrent hat den geforderten Nachweis nicht erbracht. Demzu- folge sind dem Rekurrenten im ersten Halbjahr 2011 (höchstens) die effektiv angefallenen mo- natlichen Kinderdrittbetreuungskosten von CHF 744.-- vom 1. Januar 2011 bis 13. April 2011 bzw. für rund 3.5 Monate zu gewähren, ausmachend rund CHF 2'604.-- (pro Kind CHF 1'302.--). Hierbei ist zu berücksichtigen, dass seine Ex-Ehegattin gemäss ihrer Steuererklärung pro 2011 bezahlte Kinderdrittbetreuungskosten von insgesamt CHF 2'232.-- (pro Kind CHF 1'116.--) übernahm und dementsprechend rechtskräftig veranlagt wurde (vgl. Veranlagungsverfügung der Ex-Ehegattin pro 2011). Damit belaufen sich die Kinderdrittbetreuungskosten beider Elternteile im Jahr 2011 zusammen auf insgesamt CHF 4'836.-- (pro Kind CHF 2'418.--). Da
9 - diese Kinderdrittbetreuungskosten die maximal von den steuerbaren Einkünften gewährten Ab- züge pro Kind und Jahr (Bund: CHF 10'000.--; Kanton: CHF 3'100.--) nicht überschreiten, sind die vom Rekurrenten im Jahr 2011 effektiv angefallenen Kinderdrittbetreuungskosten von CHF 2'604.-- zum Abzug zuzulassen. 5.Im zweiten Halbjahr 2011 hat der Rekurrent entgegen der Trennungsvereinbarung ab
10 - nur ausnahmsweise Genüge getan. Als Beispiel ist vorstellbar, dass der empfangende Elternteil während des Rekurs- und Beschwerdeverfahrens des Leistenden gegenüber der Steuerverwal- tung schriftlich nachmeldet bzw. bestätigt, über die schriftliche Vereinbarung hinausgehende Unterhaltsbeiträge erhalten zu haben und diese zusätzlichen Leistungen vom Leistenden auch belegt werden. 5.2Die ab 1. Juli 2011 gemäss Trennungsvereinbarung geschuldeten Unterhaltsbeiträge für beide Kinder von insgesamt CHF 13'200.-- (sechs mal CHF 2'200.--; Steuerdossier, pag. 54) hat der Rekurrent im Jahr 2011 unstreitig geleistet. Diese Unterhaltsbeiträge sind in der Veran- lagung der Ex-Ehegattin als steuerbares Einkommen erfasst und beim Rekurrenten als Abzug zugelassen worden. Bei den Kosten für die Kita und für die Spielgruppe im zweiten Halb- jahr 2011, für die der Kinderdrittbetreuungsabzug nicht gewährt werden kann (siehe E. 3.4 hier- vor), handelt es sich somit um Rechnungen, die für die Kinder entstanden und offenbar vom Rekurrenten entgegen der Trennungsvereinbarung direkt bezahlt worden sind. Gemäss Tren- nungsvereinbarung hatte sämtliche Rechnungen für die Kinder (u.a. Kita und Spielgruppe) je- doch die (Ex-)Ehegattin zu bezahlen (Steuerdossier, pag. 54). Bei den bezahlten Rechnungen könnte es sich somit allenfalls um über die schriftliche Trennungsvereinbarung hinausgehende geleistete Unterhaltsbeiträge handeln (siehe E. 4 hiervor). Solche zusätzliche Unterhaltsbeiträ- ge, die entgegen der Vereinbarung geleistet worden sind, sind ausnahmsweise abziehbar, wenn beide Elternteile sie in der Steuererklärung übereinstimmend als Einkommen bzw. als Abzug deklariert haben. Dies ist vorliegend nicht der Fall. Auch fehlt in den Akten ein Nachweis, dass sich der Rekurrent und seine Ex-Ehegattin tatsächlich über eine Änderung der Tren- nungsvereinbarung geeinigt haben. Hinzu kommt, dass die über die Trennungsvereinbarung hinaus geleisteten Unterhaltszahlungen von der Ex-Ehegattin pro 2011 weder deklariert noch mittels einer entsprechenden Bestätigung attestiert worden sind, obwohl der Rekurrent mit Schreiben vom 9. März 2016 seitens der Steuerrekurskommission aufgefordert worden ist, die entsprechenden Unterlagen einzureichen. 5.3Festzuhalten ist, dass die Steuerverwaltung zu Gunsten des Rekurrenten davon ausge- gangen ist, dass er die Differenz (CHF 6'768.--) zwischen dem vom Verein F.________ bestätigten Kitakosten von CHF 9'000.-- und den von der Ex-Ehegattin in ihrer Steuererklärung pro 2011 als Kinderdrittbetreuungskosten deklarierten CHF 2'232.-- vollumfänglich selber getra- gen und (kulanterweise) die unstreitig in Abzug gebrachten Unterhaltsbeiträge von CHF 13'200.-- entsprechend um CHF 6'768.-- auf CHF 19'968.-- erhöht hat (vgl. Veranlagungs- verfügung pro 2011; Steuerdossier, pag. 76, 71). Konkrete Belege darüber, wer in welchem Umfang die (Kinderdrittbetreuungs)Kosten bezahlt hat, haben der Steuerverwaltung jedoch nicht vorgelegen und sind von ihr offenbar auch nie eingefordert worden (vgl. Vernehmlassung
11 - der Steuerverwaltung vom 14.7.2015, S. 3). Der Rekurrent ist seitens der Steuerverwaltung denn auch nicht aufgefordert worden, eine Bestätigung seiner Ex-Ehegattin einzureichen, dass sie sich über eine Änderung des (nachehelichen) Unterhalts geeinigt haben. Weiter hat es die Steuerverwaltung unterlassen, den Rekurrenten darüber zu informieren, dass ein zusätzlicher bzw. über die Trennungsvereinbarung hinausgehender Unterhaltsbeitrag steuerlich nur abzugs- fähig ist, wenn die begünstigte Person bzw. seine Ex-Ehegattin die zusätzlich erhaltenen Leis- tungen auch (nach)versteuert. Erst im vorliegenden Rekurs- und Beschwerdeverfahren ist der Rekurrent über diese für seine Ex-Ehegattin nachteiligen Folgen informiert worden. Hierbei ist er aufgefordert worden, eine (schriftliche) Bestätigung seiner Ex-Ehegattin beizubringen, worin sie den zusätzlich (über den gemäss Trennungsvereinbarung hinausgehenden) erhaltenen (und auch versteuerten) Betrag bestätigt (vgl. Schreiben der Steuerrekurskommission vom 9.3.2016). Eine entsprechende Änderung der Trennungsvereinbarung in Form einer schriftlichen Bestäti- gung seiner Ex-Ehegattin hat der Rekurrent jedoch nicht eingereicht. Dementsprechend können die Kosten im zweiten Halbjahr 2011 für die Kita (CHF 4'464.--) und für die Spielgruppe (CHF 570.--), ausmachend insgesamt CHF 5'034.--, vorliegend nicht als weitere Unterhaltsbei- träge berücksichtigt werden. 6.Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass im vorliegenden Fall die für die Kinder im Jahr 2011 bezahlten Unterhaltsbeiträge von insgesamt CHF 13'200.-- dem Rekurren- ten zum Abzug zugelassen worden sind (siehe E. 4.2 hiervor). Da weder das bernische Steuer- recht (vgl. Art. 40 Abs. 4 StG), noch das Bundessteuerrecht zulassen, dass zusätzlich zu den Unterhaltsbeiträgen der Kinder der ganze oder anteilmässige Kinderabzug und die sich darauf abstützenden Folgeabzüge abgezogen werden können (sog. Kumulationsverbot), hat die Steu- erverwaltung den vom Rekurrenten geltend gemachten halben Kinderabzug zu Recht nicht berücksichtigt. Da dies vom Rekurrenten im Rekurs- und Beschwerdeverfahren nicht (mehr) in Frage gestellt wird, erübrigt es sich, weiter darauf einzugehen. Auch ist in Übereinstimmung mit der Steuerverwaltung nicht auf die weiteren Ausführungen des Rekurrenten betreffend das Steuerjahr 2012 (und Folgejahre) einzugehen, da diese nicht Streitgegenstand des vorliegen- den Verfahrens bilden. 7.Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass im Steuerjahr 2011 neben den be- zahlten Unterhaltsbeiträgen von CHF 13'200.-- (Kanton/Bund), Kinderdrittbetreuungskosten von CHF 2'604.-- (Kanton/Bund) zu berücksichtigen sind. Gegenüber dem Einspracheentscheid pro 2011 (CHF 6'768.--) entspricht dies letztlich einer Reduzierung der Abzüge um CHF 4'164.-- (Kanton/Bund). Dementsprechend erfolgt durch die Steuerrekurskommission eine Abänderung des steuerbaren Einkommens zum Nachteil des Rekurrenten. Gemäss Art. 198 Abs. 2 StG bzw. Art. 142 Abs. 4 DBG hat die Steuerrekurskommission im Rekurs- bzw. Beschwerdeverfahren
12 - die gleichen Befugnisse wie die kantonale Steuerverwaltung im Veranlagungsverfahren. Sie entscheidet gestützt auf das Ergebnis ihrer Untersuchungen und kann nach Anhörung der steu- erpflichtigen Person die Veranlagung auch zu deren Nachteil (sog. "reformatio in peius") abän- dern (Art. 199 Abs. 1 und 2 StG und Art. 143 Abs. 1 DBG). Mit Schreiben vom 12. April 2016 hat die Steuerrekurskommission dem Rekurrenten unter Hinweis auf Art. 199 Abs. 2 StG bzw. Art. 143 Abs. 1 DBG auf eine drohende "reformatio in peius" hingewiesen und es wurde ihm eine Frist zur Stellungnahme gewährt. Der Rekurrent hat sich dazu vernehmen lassen, doch ergaben sich daraus keine neuen Erkenntnisse, die etwas am Ergebnis ändern würden. Mit der gewährten Gelegenheit zur Stellungnahme sind die Voraussetzungen für die vorliegende An- passung zu seinen Ungunsten ("reformatio in peius") erfüllt. Dies führt zur Abweisung von Re- kurs und Beschwerde. Die Akten werden zur Neufestsetzung des steuerbaren Einkommens im Sinn der Erwägungen an die Steuerverwaltung zurückgewiesen. 8.Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Rekurrent kostenpflichtig. Er hat die gesam- ten Verfahrenskosten zu tragen einschliesslich allfälliger Auslagen für Gutachten oder andere externe Kosten (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2, 53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die Verwaltungs- gebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 800.-- damit dem unterlegenen Rekurrenten aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrech- nen. Ist der Rekurrent vertreten, so kann bei ganz- oder teilweisem Obsiegen eine Parteikos- tenentschädigung gesprochen werden. Da der Rekurrent im vorliegenden Fall unterliegt und ausserdem nicht vertreten ist, werden keine Parteikosten gesprochen (Art. 200 Abs. 4 StG so- wie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]). Aus diesen Gründen wird erkannt: 1.Der Rekurs wird abgewiesen. Die Akten gehen zur Neufestsetzung des steuerbaren Ein- kommens im Sinn der Erwägungen zurück an die Steuerverwaltung des Kantons Bern. 2.Die Beschwerde wird abgewiesen. Die Akten gehen zur Neufestsetzung des steuerbaren Einkommens im Sinn der Erwägungen zurück an die Steuerverwaltung des Kantons Bern. 3.Die Kosten des Verfahrens vor der Steuerrekurskommission, bestimmt auf eine Pau- schalgebühr von CHF 800.--, werden dem Rekurrenten zur Bezahlung auferlegt. 4.Parteikosten werden keine gesprochen.
13 - 5.Gegen den Entscheid betreffend die kantonalen Steuern kann innert 30 Tagen seit der Eröffnung beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Speichergasse 12, 3011 Bern, Beschwerde erhoben werden. Die Frist ist eingehalten, wenn die Rechts- schrift am letzten Tag der Frist einer schweizerischen Poststelle übergeben wird. Die Be- schwerdeschrift ist in 3-facher Ausfertigung einzureichen. Der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Die Rechtsschrift hat insbesondere das Rechtsbegehren und die Be- gründung zu enthalten. Gegen den Entscheid betreffend die direkte Bundessteuer kann innert 30 Tagen seit der Eröffnung beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Speichergasse 12, 3011 Bern, Beschwerde erhoben werden (Art. 145 DBG i.V.m. Art. 9 Abs. 3 BStV). Die Frist ist eingehalten, wenn die Rechtsschrift am letzten Tag der Frist einer schweizeri- schen Poststelle übergeben wird. Die Beschwerdeschrift ist in 3-facher Ausfertigung einzureichen. Die Rechtsschrift hat insbesondere das Rechtsbegehren und die Begrün- dung zu enthalten. Wird beim Verwaltungsgericht für die kantonalen Steuern und die direkte Bundes- steuer Beschwerde erhoben, können diese, soweit den gleichen Gegenstand betref- fend, in einer gemeinsamen Rechtsschrift eingereicht werden. Sie hat insbesondere die jeweiligen Rechtsbegehren sowie die Begründungen zu enthalten. 6.Zu eröffnen an: ▪A.________ ▪Steuerverwaltung des Kantons Bern ▪Eidgenössische Steuerverwaltung ▪Einwohnergemeinde E.________ IM NAMEN DER STEUERREKURSKOMMISSION DES KANTONS BERN Die VizepräsidentinDer Gerichtsschreiber NanzerRöthlisberger