0.923.413

AS **1959** 351

Originaltext

# Übereinkunft zwischen der Schweiz und dem Land Baden-Württemberg über die Fischerei in den Stauhaltungen des Rheins beim Kraftwerk Rheinau

Abgeschlossen in Rheinau am 1. November 1957

Datum des Inkrafttretens: 10. April 1959

(Stand am 10. April 1959)

Der Schweizerische Bundesrat<br />und<br />die Regierung des Landes Baden-Württemberg

vom Wunsche erfüllt, den Wert der Stauhaltungen des Rheins beim Kraftwerk Rheinau durch eine gemeinsame Bewirtschaftung für die Fischerei zu erhalten und zu heben,

sind übereingekommen,

in teilweiser Änderung und Ergänzung der zwischen der Schweiz, Baden und Elsass-Lothringen am 18. Mai 1887[^1]abgeschlossenen Übereinkunft über die Anwendung gleichartiger Bestimmung für die Fischerei im Rhein und seinen Zuflüssen, einschliesslich des Bodensees,

über die Fischerei in den genannten Stauhaltungen eine Übereinkunft abzuschliessen.

Zu diesem Zwecke haben

(es folgen die Namen)

zu Bevollmächtigten ernannt, die nach Austausch ihrer in guter und gehöriger Form befundenen Vollmachten

die nachfolgenden Bestimmungen vereinbart haben:

## **I.** Geltungsbereich {#lvl_I}
### Geltungsbereich {#lvl_I/lvl_u1}
##### **Art. 1** {#lvl_I/lvl_u1/art_1 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--1}
Die Stauhaltungen des Kraftwerkes Rheinau im Sinne dieser Übereinkunft umfassen den Rhein vom Rheinfall bis zum unteren Hilfswehr bei Rheinau.

## **II.** Fischereiausübung {#lvl_II}
### Erlaubte Fanggeräte {#lvl_II/lvl_u1}
##### **Art. 2** {#lvl_II/lvl_u1/art_2 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--2}
Für den Fischfang sind folgende Geräte zugelassen: Angelgeräte, Zuggarn, Spiegelgarn, Spreitgarn, Wurfgarn, Grundnetz, Treibnetz, Reuse, Deckbere, Feumer.

### Köderfische {#lvl_II/lvl_u2}
##### **Art. 3** {#lvl_II/lvl_u2/art_3 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--3}
1. Als lebende Köderfische dürfen nur Fischarten verwendet werden, für die weder Mindestmass noch Schonzeit festgelegt ist.
2. Wer zur Verwendung von Köderfischen berechtigt ist, kann solche für den eigenen Bedarf im Gewässer, in dem er den Fischfang ausüben darf, mit einem geeigneten Gerät (zum Beispiel Köderflasche) fangen.

### Boote {#lvl_II/lvl_u3}
##### **Art. 4** {#lvl_II/lvl_u3/art_4 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--4}
1. Für die Ausübung der Fischerei sind als Boote nur Ruder- und Motorboote zulässig. Der Fischfang mit Paddelbooten, Faltbooten und ähnlichen Booten ist untersagt.
2. Die behördliche Bewilligung zur Verwendung eines Bootes bleibt vorbehalten.

## **III.** Schonbestimmungen {#lvl_III}
### Schonzeiten {#lvl_III/lvl_u1}
##### **Art. 5** {#lvl_III/lvl_u1/art_5 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--5}
1. Die Schonzeiten werden wie folgt festgelegt:

Forellen   1. Oktober bis 31. Januar

Regenbogenforelle   1. Oktober bis 30. April

Äsche   1. Oktober bis 30. April

Felchen 15. November bis 31. Dezember

Hecht   1. März bis 30. April

Zander   1. April bis 31. Mai

Krebs   1. Oktober bis 30. Juni
2. Während ihrer Schonzeit gefangene Fische sind sofort mit aller Sorgfalt vom Fanggerät zu lösen und ins Wasser zurückzuversetzen.

### Tagesfangzeiten {#lvl_III/lvl_u2}
##### **Art. 6** {#lvl_III/lvl_u2/art_6 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--6}
1. Der Fischfang ist erlaubt:
a. vom 1. März bis 31. Oktober in der Zeit von 3 Uhr bis 22 Uhr;
b. vom 1. November bis Ende Februar in der Zeit von 7 Uhr bis 20 Uhr.
2. Fischfang im Sinne dieser Bestimmung ist jede Fischereiausübung unter Anwendung menschlicher Tätigkeit.

### Mindestmasse {#lvl_III/lvl_u3}
##### **Art. 7** {#lvl_III/lvl_u3/art_7 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--7}
1. Die Mindestmasse, gemessen von der Kopfspitze bis zu den Spitzen der normal ausgebreiteten Schwanzflosse, beim Krebs vom Stirnschnabel bis zum Schwanzende, werden wie folgt festgelegt:

Forelle 28 cm

Regenbogenforelle 28 cm

Äsche 30 cm

Felchen 24 cm

Hecht 45 cm

Zander 35 cm

Barsch 15 cm

Barbe 25 cm

Schleie 25 cm

Aal 35 cm

Krebs   7 cm
2. Gefangene Fische, die das Mindestmass nicht erreichen, sind sofort mit aller Sorgfalt vom Fanggerät zu lösen und ins Wasser zurückzuversetzen.

### Beschränkung des Fischfanges {#lvl_III/lvl_u4}
##### **Art. 8** {#lvl_III/lvl_u4/art_8 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--8}
Wenn die Erhaltung und Förderung des Fischbestandes es erfordern, werden die Uferstaaten im gegenseitigen Einvernehmen die Zahl der Fische, die von den Fischereiberechtigten täglich gefangen werden dürfen, oder die Zahl der Fischereiberechtigten beschränken.

### Örtliche Beschränkungen {#lvl_III/lvl_u5}
##### **Art. 9** {#lvl_III/lvl_u5/art_9 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--9}
1. Das Waten beim Fischfang ist vom 1. Oktober bis 30. April verboten.
2. Es können Schongebiete ausgeschieden werden, innerhalb welcher der Fischfang zeitweise oder ständig verboten ist.

## **IV.** Schutz und Hege {#lvl_IV}
### Fischeinsätze {#lvl_IV/lvl_u1}
##### **Art. 10** {#lvl_IV/lvl_u1/art_10 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--10}
1. Der Fischereiberechtigte soll von allfälligen freiwilligen Fischeinsätzen dem Fischereiaufseher vor dem Einsetzen Kenntnis geben.
2. Der Fischereiberechtigte soll bestandesfremde Fischarten nicht ohne Bewilligung einsetzen.

### Bewirtschaftungsmassnahmen {#lvl_IV/lvl_u2}
##### **Art. 11** {#lvl_IV/lvl_u2/art_11 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--11}
1. Die Vertragsparteien verpflichten sich, im gegenseitigen Einvernehmen alle Massnahmen zu treffen, die der Erhaltung und Förderung eines wertvollen Fischbestandes dienen. Zu diesen Massnahmen gehören insbesondere Laichgewinnung, Fischeinsätze und Sonderfänge zum Beispiel zur Bekämpfung von Fischkrankheiten und zum Schutze bestimmter Fischarten.
2. Die Vertragsparteien unterstützen sich bei diesen Massnahmen gegenseitig.
3. Zur Durchführung der Massnahmen gemäss Absatz 1 kann unter hinreichender Kontrolle und im gegenseitigen Einvernehmen von den Bestimmungen der Artikel 2 bis 9 abgewichen werden.

### Fischereistatistik {#lvl_IV/lvl_u3}
##### **Art. 12** {#lvl_IV/lvl_u3/art_12 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--12}
Die Fischereiberechtigten, mit Einschluss der Inhaber privater Fischereirechte, sollen ihre Fischeinsätze und Fangergebnisse wahrheitsgemäss und rechtzeitig melden.

## **V.** Vollzug {#lvl_V}
### Bevollmächtigte {#lvl_V/lvl_u1}
##### **Art. 13** {#lvl_V/lvl_u1/art_13 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--13}
Die gemäss Artikel 11 der Übereinkunft vom 18. Mai 1887[^2]durch jede Regierung der beiden Vertragsparteien ernannten Bevollmächtigten überwachen den Vollzug dieser Übereinkunft.

### Bewirtschaftungsausschuss {#lvl_V/lvl_u2}
##### **Art. 14** {#lvl_V/lvl_u2/art_14 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--14}
1. Für die Bewirtschaftung der Stauhaltungen wird ein Ausschuss eingesetzt, in den das Land Baden-Württemberg und die Kantone Zürich und Schaffhausen je einen Vertreter abordnen. Der Ausschuss gibt sich eine Geschäftsordnung, die der Genehmigung der Bevollmächtigten bedarf.
2. Dem Ausschuss obliegt es, insbesondere folgendes zu veranlassen:
a. Umschreibung der erlaubten Fanggeräte (Artikel 2 und 3, Abs. 2);
b. Beschränkung des Fischfanges (Artikel 8);
c. Ausscheidung von Schongebieten (Artikel 9, Abs. 2);
d. Erteilung der Bewilligung für den Einsatz fremder Fischarten (Artikel 10, Abs. 2);
e. Durchführung von Bewirtschaftungsmassnahmen gemäss Artikel 11;
f. Organisation der Fischereistatistik (Artikel 12);
g. Organisation des Aufsichtsdienstes (Artikel 15);
h. Rechnungsführung und Verteilung der Kosten gemeinsamer Bewirtschaftungsmassnahmen.
3. Die Beschlüsse des Bewirtschaftungsausschusses bedürfen der Einstimmigkeit.
4. Die Uferstaaten werden die Beschlüsse des Bewirtschaftungsausschusses, soweit erforderlich, rasch vollziehen.
5. Der Bewirtschaftungsausschuss soll bei allen übrigen Massnahmen zur Wahrung der Interessen der Fischerei, wie Reinhaltung der Gewässer, Auflagen und Bedingungen für den Bau und Betrieb von Wasserkraftanlagen, beratend mitwirken.
6. Der Bewirtschaftungsausschuss lädt die Bevollmächtigten zu allen Sitzungen ein und erstattet ihnen jährlich Bericht über seine Tätigkeit.

### Aufsicht {#lvl_V/lvl_u3}
##### **Art. 15** {#lvl_V/lvl_u3/art_15 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--15}
Die Fischereiaufsicht wird von den mit dieser Aufgabe beidseits beauftragten Organen in geeigneter Zusammenarbeit ausgeübt.

## **VI.** Strafbestimmungen {#lvl_VI}
### Strafbestimmungen {#lvl_VI/lvl_u1}
##### **Art. 16** {#lvl_VI/lvl_u1/art_16 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--16}
Die beiden Vertragsparteien verpflichten sich, Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen dieser Übereinkunft sowie die gestützt hierauf erlassenen Ausführungsvorschriften und Einzelverfügungen strafrechtlich zu verfolgen.

## **VII.** Schlussbestimmungen {#lvl_VII}
### Änderungen und Abweichungen {#lvl_VII/lvl_u1}
##### **Art. 17** {#lvl_VII/lvl_u1/art_17 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--17}
Die Bevollmächtigten im Sinne von Artikel 13 stellen ihren Regierungen gegebenenfalls Anträge über Änderungen der Übereinkunft.

### Kündigung {#lvl_VII/lvl_u2}
##### **Art. 18** {#lvl_VII/lvl_u2/art_18 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--18}
Diese Übereinkunft kann unter Beobachtung einer Frist von 12 Monaten jährlich auf den 31. Dezember von jeder der Vertragsparteien gekündigt werden, erstmals auf den 31. Dezember 1960.

### Inkraftsetzung {#lvl_VII/lvl_u3}
##### **Art. 19** {#lvl_VII/lvl_u3/art_19 omnilex-key=ch-fedlex-international--0.923.413--19}
Diese Übereinkunft tritt einen Monat nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden in Kraft.

Geschehen in Rheinau am 1. November 1957 in 4 Urschriften.

| Alfr. Matthey- Doret | Dr. Schefold |
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[^1]: SR  **0.923.412**
[^2]: SR  **0.923.412**